Betrachtung Hl. Johannes Paul II.

Die christliche Familie und die soziale Frage

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 15 Der heilige Johannes Paul II. war Papst von 1978 bis 2005 Foto: Foto: CC Wikimedia Johannes Paul II.  veröffentlicht am 1. Mai 1991 mit „Centesimus annus“ die dritte Sozialenzyklika seines Pontifikats und würdigt insbesondere Leo XIII., der die Zentralität der sozialen Frage für die katholische Kirche nachdrücklich betont hat. Gegen den herrschenden „Geist der Erneuerung“ meldete sich Leo zu Wort: „Der Papst, die Kirche und ebenso die bürgerliche Gesellschaft standen vor einer durch Konflikt gespaltenen Gesellschaft. Dieser Konflikt war um so härter und unmenschlicher als er weder Regel noch Gesetz kannte. Es war der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit oder — wie es die Enzyklika nannte — die Arbeiterfrage. Eben zu diesem Konflikt wollte der Papst in den schärfsten Worten, die ihm damals zur Verfügung standen, seine Meinung kundtun.“ Der modernistische Ungeist wirkte zu Leos Zeiten auf vielfältige Weise, nicht allein in der Theologie und im Leben der Kirche, sondern auch im sozialen Bereich. Atheistische Ideologien breiteten sich aus, der Sozialismus und der Liberalismus, ebenso wie Faschismus und Nationalsozialismus viele Jahrzehnte später. Der Auftrag der Kirche sei es, Leitlinien zur Orientierung zu bieten, sich von Irrlehren abzugrenzen, die sozialen Nöte der Menschheit ernst zu nehmen und mit der katholischen Soziallehre adäquat zu antworten. Johannes Paul II. schreibt: „In der Tat, die Verkündigung und Verbreitung der Soziallehre gehört wesentlich zum Sendungsauftrag der Glaubensverkündigung der Kirche; sie gehört zur christlichen Botschaft, weil sie deren konkrete Auswirkungen für das Leben in der Gesellschaft vor Augen stellt und damit die tägliche Arbeit und den mit ihr verbundenen Kampf für die Gerechtigkeit in das Zeugnis für Christus den Erlöser miteinbezieht. Sie bildet darüber hinaus eine Quelle der Einheit und des Friedens angesichts der Konflikte, die im wirtschaftlich-sozialen Bereich unvermeidlich auftreten. Auf diese Weise wird es möglich, die neuen Situationen zu bestehen, ohne die transzendente Würde der menschlichen Person weder bei sich selbst noch bei seinen Gegnern zu verletzen, und sie zu einer richtigen Lösung zu führen. … Jenseits aller Rechte, die der Mensch durch sein Tun und Handeln erwirbt, besitzt er Rechte, die nicht im Entgelt für seine Leistung bestehen, sondern seiner wesenhaften Würde als Person entspringen.“ Von der sozialen Frage, von der Armut vieler Menschen auch in den Wohlstandsgesellschaften, ist in der Kirche heute nur selten noch die Rede. Der Papst kritisiert zunächst sozialistische Lehren: „[Der Sozialismus] betrachtet den einzelnen Menschen lediglich als ein Instrument und Molekül des gesellschaftlichen Organismus, so daß das Wohl des einzelnen dem Ablauf des wirtschaftlich-gesellschaftlichen Mechanismus völlig untergeordnet wird; gleichzeitig ist man der Meinung, daß eben dieses Wohl unabhängig von freier Entscheidung und ohne eine ganz persönliche und unübertragbare Verantwortung gegenüber dem Guten verwirklicht werden könne. Der Mensch wird auf diese Weise zu einem Bündel gesellschaftlicher Beziehungen verkürzt, es verschwindet der Begriff der Person als autonomes Subjekt moralischer Entscheidung, das gerade dadurch die gesellschaftliche Ordnung aufbaut.“ Er würdigt den Umbruch von 1989, scheut sich aber nicht, die immensen Probleme des Kapitalismus anzusprechen: „Trotz der großen Veränderungen, die in den fortgeschrittenen Gesellschaften stattgefunden haben, ist das menschliche Defizit des Kapitalismus mit der daraus sich ergebenden Herrschaft der Dinge über die Menschen keineswegs überwunden; ja, für die Armen kam zum Mangel an materiellen Gütern noch der Mangel an Wissen und Bildung hinzu, der es ihnen unmöglich macht, sich aus ihrer Lage erniedrigender Unterwerfung zu befreien.“ In diesem Sinne stellt er fest: „Man sieht daraus, wie unhaltbar die Behauptung ist, die Niederlage des sogenannten »realen Sozialismus« lasse den Kapitalismus als einziges Modell wirtschaftlicher Organisation übrig. Es gilt, die Barrieren und Monopole zu durchbrechen, die so viele Völker am Rande der Entwicklung liegenlassen.“ Unbeirrt tritt der Papst für die Menschenwürde ein und warnt zugleich prophetisch vor einem sich ausbreitenden Konsumismus: „Die Entscheidung für bestimmte Formen von Produktion und Konsum bringt immer auch eine bestimmte Kultur als Gesamtauffassung des Lebens zum Ausdruck. Hier entsteht das Phänomen des Konsumismus. Bei der Entdeckung neuer Bedürfnisse und neuer Möglichkeiten, sie zu befriedigen, muß man sich von einem Menschenbild leiten lassen, das alle Dimensionen seines Seins berücksichtigt und die materiellen und triebhaften den inneren und geistigen unterordnet. Überläßt man sich hingegen direkt seinen Trieben, unter Verkennung der Werte des persönlichen Gewissens und der Freiheit, können Konsumgewohnheiten und Lebensweisen entstehen, die objektiv unzulässig sind und nicht selten der körperlichen und geistigen Gesundheit schaden.“ Der heilige Johannes Paul II. sieht hier Zeichen einer seelischen Verwahrlosung. Menschen folgen dem Lustgewinn, leben triebbestimmt und entfremden sich von Gott. Das Böse dringt in neue Räume ein und findet neue Wege: „Ein augenfälliges Beispiel künstlichen Konsums, der sich gegen die Gesundheit und gegen die Würde des Menschen richtet und sich gewiß nicht leicht unter Kontrolle bringen läßt, ist die Droge. Ihre Ausbreitung ist Anzeichen einer ernsten Funktionsstörung des Gesellschaftssystems und schließt gleichfalls eine materialistische und in einem gewissen Sinn destruktive »Lesart« der menschlichen Bedürfnisse ein. … Die Droge wie auch die Pornographie und andere Konsumismusformen versuchen die entstandene geistige Leere auszufüllen, indem sie sich die Anfälligkeit der Schwachen zunutze machen.“ Man könnte denken, dass Johannes Paul II. hier ganz besonders gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick nimmt, die dazu führen, dass Menschen sich von einem Luststreben okkupieren lassen, so dass sie sich auch erschreckend enthusiastisch in die Fesseln der Sünde hineinbegeben, von dem Irrtum geleitet, auf diese Weise besonders frei zu sein. Sie lassen sich gehen, verstricken sich aber nur immer tiefer hinein in die Abgründe der Sünde und auch der sozialen Not. Getrieben von der Sucht, sich zu befriedigen, bleiben sie unausweichlich unbefriedigt, ja verelenden in vielerlei Hinsicht, geistig, geistlich und materiell. Ein Gegenmodell zu den Versuchungen der Welt und ein Hort sozialer Stabilität ist die Familie. Johannes Paul II. bekennt sich auch darum zur christlichen Familie: „Die erste und grundlegende Struktur zu Gunsten der »Humanökologie« ist die Familie, in deren Schoß der Mensch die entscheidenden Anfangsgründe über die Wahrheit und das Gute empfängt, wo er lernt, was lieben und geliebt werden heißt und was es konkret besagt, Person zu sein. Hier ist die auf die Ehe gegründete Familie gemeint,

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Mission – Auftrag der Kirche

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 14 Die EWTN-Gründerin Mutter Angelica zeigt Papst Johannes Paul II. eine der frühen Satellitenschüsseln. Foto: EWTN In dem weitsichtigen Lehrschreiben „Redemptoris missio“, das am 7. Dezember 1990 publiziert wurde, hat Johannes Paul II. die ihm besonders am Herzen liegenden Dimensionen der Verkündigung differenziert und mit apostolischer Leidenschaft vorgestellt. Eine Kirche, die sich selbst verschließt, bezeugt nicht mehr Christus, sondern wird zu einer überflüssigen Organisation, die den Strukturen und Vereinen dieser Welt entspricht. Symptome einer solchen Verweltlichung beobachten wir gegenwärtig in Deutschland insbesondere beim „Synodalen Weg“, auf dem die Gottesfrage marginalisiert und die Verkündigung des Evangeliums nivelliert wird. Die Aktualität der Enzyklika wird insbesondere deutlich, weil an den Auftrag der Christen erinnert werden muss: „Die Verkündigung hat in der Mission jederzeit Vorrang. Die Kirche darf sich dem ausdrücklichen Auftrag Christi nicht entziehen; sie darf den Menschen die »gute Nachricht«, daß sie von Gott geliebt und gerettet sind, nicht vorenthalten.“ Heute scheint ein Bekenntnis zu maßloser Kritik an der Kirche oft die Verkündigung der Frohen Botschaft ersetzt zu haben. Johannes Paul II. hat 1990 zur Mission ermuntert und ermutigt: „Mission ist eine einzige, aber komplexe Wirklichkeit, die sich in verschiedenen Formen entfaltet, unter denen einige in der gegenwärtigen Situation der Kirche und der Welt von besonderer Wichtigkeit sind. … Der Christ und die christliche Gemeinde sind tief verwurzelt im Leben der jeweiligen Völker; sie sind Zeugen des Evangeliums auch in der Treue zu ihrer Heimat, zu ihrem Volk, zu ihrer Landeskultur, immer jedoch in der Freiheit, die Christus gebracht hat. Das Christentum ist offen für eine weltweite Brüderlichkeit, weil alle Menschen Söhne und Töchter desselben Vaters und Geschwister in Christus sind. … Die Kirche und die Missionare müssen auch ein Zeugnis der Demut geben, bezogen vor allem auf sich selbst. Diese Demut drückt sich auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene aus in der Fähigkeit zur Gewissenserforschung, um in den eigenen Verhaltensweisen das auszubessern, was unevangelisch ist und das Angesicht Christi entstellt.“ Doch wir hören wenig von einem „Zeugnis der Demut“ in unserer Zeit, vielmehr beobachten wir beständig Zeugnisse des Hochmuts, der Kritiklust und der Arroganz. Doch die Christen sind dazu bestellt, „Zeugen des Evangeliums“ zu sein. Der Papst legt zudem dar, dass der Missionar – damit jeder Christ – aufgerufen ist, sich zuinnerst zu Christus zu bekehren und sich von Christus erneuern zu lassen: „Sicher, jeder Bekehrte ist ein Geschenk auch an die Kirche und bedeutet für sie eine schwere Verantwortung; nicht nur, weil er im Katechumenat auf die Taufe vorbereitet und dann durch religiöse Unterweisung begleitet werden muß, sondern auch weil er, speziell als Erwachsener, mit neuer Energie die Begeisterung des Glaubens mitbringt und den Wunsch, in der Kirche selbst ein gelebtes Evangelium vorzufinden. Es wäre für ihn eine Enttäuschung, wenn er, der in die kirchliche Gemeinschaft eingetreten ist, dort ein müdes, freudloses, nicht erneuerungsbereites Leben anträfe. Wir können nicht die Bekehrung predigen, wenn wir uns nicht selbst jeden Tag bekehren.“ Finden wir heute in der Kirche das „gelebte Evangelium“? Strahlen wir selbst die Freude am Glauben, die Freude an Gott aus? Oder erwecken wir den Anschein, dass wir – ausgezehrt von fruchtlosen Dialogprozessen und erschöpft von müßigen Strukturdebatten – bloß die säkulare Tristesse vermehren? Möge auch die Kirche in Deutschland diese Wüste der Freudlosigkeit endlich verlassen! Ja, von der Müdigkeit und Freudlosigkeit der Christen spricht Johannes Paul II. sehr deutlich und förderte bekanntlich charismatische Erneuerungsbewegungen mit großer Leidenschaft. Aber es geht nicht darum, sich einer solchen Gruppe oder Gemeinschaft anzuschließen, sondern – ganz einfach – bei sich selbst anzufangen, sich an Christus neu auszurichten. Aus der Anbetung, aus dem stillen Verharren vor dem Tabernakel lebt der Glaube, der sich nicht in Gremien bewähren soll, sondern im frohen Zeugnis für Gott im Alltag, in der Pfarrgemeinde und darüber hinaus: „Was von den Anfängen des Christentums an für die universale Mission unternommen wurde, behält seine Gültigkeit und Dringlichkeit bis zum heutigen Tag. Die Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch, da der Auftrag Christi nicht bedingt und äußerlich ist, sondern das Herz der Kirche betrifft.“ Über die „Pflicht zur Heiligkeit“ sollen die Gläubigen neu nachdenken. Ein Gesandter des Herrn ist vor allem ein betender Mensch, ein „Mensch der Seligpreisungen“: „Indem er die Seligpreisungen lebt, erfährt der Missionar und beweist mit seinem Leben, daß das Reich Gottes schon gekommen ist und daß er es schon angenommen hat. Das Wesensmerkmal jedes echten missionarischen Lebens ist die innere Freude, die aus dem Glauben kommt. In einer von so vielen Problemen verängstigten und bedrängten Welt, die zum Pessimismus neigt, muß der Verkünder der »Frohbotschaft« ein Mensch sein, der in Christus die wahre Hoffnung gefunden hat.“ Ein gläubiger Christ ist also weder ein Bote eines abendländischen Nostalgievereins noch einer Kirchenpartei für säkulare Anpassungsstrategien. Ein Christ ist zudem weder der Gesandte einer kulturpessimistischen Grimmigkeit noch der Apostel einer eloquenten, modernistischen Geschmeidigkeit. Der Christ lebt, schlicht und einfach, aus der Freude an Gott, aus der Freude am Glauben, und diese Freude leuchtet aus dem Christen hervor. Diese Freude, ein Glied der Kirche des Herrn zu sein, ist ein missionarisches Zeugnis in einer trostlosen Zeit. Sind wir erfüllt davon? Strahlen wir die Freude des Glaubens aus? Quelle: CNA Deutsch, 01. Mai, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Die Zeit der Sendung

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 13 Papst Johannes Paul II. im März 2000 in Jerusalem Foto: Paul Badde / EWTN Zu den größten Versuchungen des Christen gehört – neben Selbstzufriedenheit und Lauheit – die fruchtlose Selbstbeschäftigung. Die Sehnsucht nach Gott ist real. Wird ihr entsprochen? Oder steht der Sehnsucht eine verweltlichte Kirche entgegen und erstickt diese mit einem larmoyanten Dialogtheater, narkotischen Diskursen und kirchenpolitischen Reformagenden? Der heilige Johannes Paul II. hat vor säkularen Sackgassen gewarnt – und, wie das Zweite Vatikanische Konzil, den Sendungsauftrag hervorgehoben. So wie die Apostel pfingstlich in die Welt geschickt wurden, um das Evangelium zu verkünden, so hat auch der Papst in seinem Pontifikat bis in das letzte Lebensjahr hinein Reisen unternommen, um Zeugnis abzulegen für den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, um Gläubige in aller Welt zu bestärken und zu ermutigen – und um den Suchenden wirklich nahe zu sein. Zu den großen Enzykliken seines Pontifikats gehört „Redemptoris missio“, publiziert am 7. Dezember 1990 – ein notwendiges Lehrschreiben besonders für die erschöpft anmutende Christenheit in Europa und Nordamerika, damals wie heute. Wer traute sich 1990, Zeugnis für Christus und seine Kirche abzulegen? Wer ist heute bereit, beispielhaft sich zum Herrn zu bekennen? Ich erinnere mich an Mäkeleien damals, die im Raum der Kirche artikuliert wurden – und an die offenkundig törichte Wendung: „Jesus ja – Kirche nein!“ Es gab immerzu neue Jesus-Bücher und Jesus-Bilder, aber die Rede von Gott wurde zaghafter und leiser. Mancherorts fühlten sich Christen beschämt, sich als Glied der Kirche zu bekennen. Johannes Paul II. trat diesen Bewegungen entgegen und schrieb über Mission, also über Evangelisierung und Verkündigung. 1990 beobachtete der Papst – wir sehen heute Vergleichbares dazu – konzilswidrige Entwicklungen, mitten in der Kirche: „In diesem »neuen Frühling« des Christentums kann jedoch nicht eine negative Tendenz übersehen werden, der mit diesem Schreiben begegnet werden soll: die eigentliche Sendung ad gentes scheint nachzulassen, was gewiß nicht den Weisungen des Konzils und den damit zusammenhängenden Aussagen des Lehramtes entspricht. Innere und äußere Schwierigkeiten haben den missionarischen Schwung im Hinblick auf die Nicht-Christen erlahmen lassen. Diese Tatsache muß allen, die an Christus glauben, zu denken geben. In der Geschichte der Kirche ist die Befolgung des missionarischen Auftrages immer ein Zeichen kraftvollen Lebens gewesen, wie die Nachlässigkeit diesem gegenüber Zeichen einer Glaubenskrise ist.“  Schwung zeigten eher die Kritiker der Kirche. Heute verstehen sich einige von ihnen als Erneuerer des Glaubens – und weisen doch bloß Wege zu einem faden Deutschkatholizismus, bräsig, bieder und saturiert. Johannes Paul II. formuliert mit apostolischer Leidenschaft: „Durch die Mission wird die Kirche tatsächlich erneuert, Glaube und christliche Identität werden bestärkt und erhalten neuen Schwung und neue Motivation. Der Glaube wird stark durch Weitergabe! Die neue Evangelisierung der christlichen Völker findet Anregung und Halt im Einsatz für die sich weltweit betätigende Mission.“ Erinnern Sie sich noch, wann Sie zuletzt von Ihrem Glauben an den dreifaltigen Gott erzählt haben? Wir hören nicht selten, wie sich Zeitgenossen scheinbar dafür entschuldigen, noch nicht die Kirche verlassen zu haben. Der Papst schreibt: „Das Evangelium tut der Freiheit des Menschen, der anderen Kulturen gebührenden Achtung, allem Positiven in jeder Religion keinen Abbruch. Wenn ihr Christus aufnehmt, öffnet ihr euch dem endgültigen Wort Gottes, jenem gegenüber, in dem Gott sich restlos zu erkennen gab und uns den Weg zu ihm gewiesen hat. Die Zahl jener, die Christus nicht kennen und nicht zur Kirche gehören, ist ständig im Wachsen; seit dem Ende des Konzils hat sie sich sogar beinahe verdoppelt. Diese ungeheure Zahl von Menschen wird vom Vater, der für sie seinen Sohn gesandt hat, geliebt; die Dringlichkeit der Mission für sie liegt klar auf der Hand.“ Heute können wir vielleicht sagen: Wie groß ist die Zahl derer, die Christus nicht kennen möchten, die bewusst zwischen Christus und der Kirche unterscheiden und die sich zur Autonomie des Menschen bekennen – statt zum Herrn? Wirkmächtige Philosophien und Ideologien wie der Existenzialismus, der das Subjekt absolut setzt, haben nicht zu einer Befreiung des Menschen, sondern zu geistlichen Existenznöten geführt. Wie viele glauben heute, dass es wichtig sei, dem eigenen Gewissen zu folgen – und wie viele möchten vom kirchlich gebildeten Gewissen nichts mehr hören und wissen? Johannes Paul II. fragt: „Ist die Mission unter den Nicht-Christen noch aktuell? Wird sie vielleicht durch den Dialog unter den Religionen ersetzt? Ist die Förderung im Bereich des Menschlichen nicht eines ihrer Ziele, das genügt? Schließt nicht die Achtung vor dem Gewissen und vor der Freiheit jeden Bekehrungsversuch aus? Kann man nicht in jeder Religion gerettet werden? Warum also Mission?“ Bekehrung findet eher zu einer geschmeidigen Form des Säkularismus statt. Scheint nicht ein Welt-Ethos, wie dies der verstorbene Theologe Hans Küng empfohlen hatte, zeitgemäß und ein guter Ersatz für jede Art kirchlicher Moral zu sein? Genügt uns nicht die Aussicht auf eine luftige, höhere Vernunft, die irgendwie schon vorhanden sein mag, zu der wir uns autonom – wie es uns gefällt – bekennen können oder nicht? Man muss sicher bedenken, dass es in einer Zeit, in der sich viele Bischöfe – Lehrer der Kirche, des Evangeliums und des Glaubens – von der Lehre der Kirche distanzieren, nicht einfacher wird, sich ungeniert und freimütig auf Christus zu besinnen. Doch ist es notwendig. Der Glaube erst schenkt uns die wahre Freiheit und führt hinein in die Freude des Herrn. Johannes Paul II. ermutigt zu einem beherzten Glaubenszeugnis. Der Kirche – und damit jedem Einzelnen von uns – ist aufgetragen, von Gott zu sprechen: „Verkündigung und Zeugnis für Christus verletzen die Freiheit nicht, wenn sie mit Achtung vor dem Gewissen erfolgen. Der Glaube verlangt die freie Zustimmung des Menschen. … Die christlichen Glaubenszeugen aller Zeiten – auch unserer Zeit – gaben und geben ihr Leben, um diesen Glauben vor den Menschen zu bekennen, aus der Überzeugung heraus, daß jeder Mensch Jesus Christus braucht, der die Sünde und den Tod besiegt und die Menschen mit Gott versöhnt hat. Christus hat sich als Sohn Gottes bezeichnet, der in enger Verbindung mit dem Vater als solcher von den Jüngern anerkannt wurde und sein Wort durch

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Wider alle Ideologien: die katholische Soziallehre

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 12 Papst St. Johannes Paul II. auf dem Petersplatz: Die Aufnahme entstand um das Jahr 1978. Foto: LOR / Vatican Media / Archiv Wesentlich für den christlichen Glauben ist die Berücksichtigung der sozialen Frage. In Deutschland stehen beispielhaft dafür auch die großen Verbände, etwa das Kolping-Werk und die KAB, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die indessen heute weniger prägend in den Pfarrgemeinden sind als noch zu der Zeit, als der heilige Johannes Paul II. die Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“ publizierte, nämlich am 30. Dezember 1987. Dem Papst war es, wie seinen Vorgängern auf dem Stuhl Petri, ein ernstes und wichtiges Anliegen, die Würde des Menschen zu betonen und die weltweite Bedeutung der katholischen Soziallehre zu bekräftigen – gegen alle Ideologien. Gleichzeitig warnte er vor einem blinden Vertrauen auf die Dynamik des ökonomischen Wachstums und weitete den Blick auf die ganze Welt. Die Ausbeutung Afrikas auch durch Kolonialmächte etwa durfte nicht vergessen werden. In gleicher Weise haben vermeintliche Fortschrittsbewegungen – der Kommunismus wie der Kapitalismus – zu ideologischen Herrschaftssystemen und zu materiellen Reichtümern geführt und Menschen auf der ganzen Welt verelenden lassen. Der Wohlstand vieler Gesellschaften in Westeuropa und Nordamerika ging mit der Verelendung andernorts einher. Johannes Paul II. erinnert an die einheitsstiftende Aufgabe des christlichen Glaubens: „Während der Glaube an Christus, den Erlöser, das Wesen der Entwicklung von innen her erhellt, weist er uns auch den Weg bei der Aufgabe der Zusammenarbeit.“ Er wirbt für ein neues Verständnis von Entwicklung und Fortschritt: „Heute erkennt man vielleicht mehr als früher und mit größerer Klarheit den inneren Widerspruch einer Entwicklung, die allein auf die wirtschaftliche Seite beschränkt bleibt. Eine solche ordnet die menschliche Person und ihre tieferen Bedürfnisse allzu leicht den Erfordernissen der wirtschaftlichen Planung oder des alleinigen Profits unter. Die innere Verbindung zwischen wahrer Entwicklung und Achtung der Menschenrechte offenbart noch einmal deren moralischen Charakter. Die wahre Förderung des Menschen, die im Einklang mit der wesentlichen und geschichtlichen Berufung jedes einzelnen steht, erreicht man nicht, indem man nur ein Übermaß an Gütern und Dienstleistungen nutzt oder über perfekte Infrastrukturen verfügt.“ Mit besonderer Deutlichkeit benennt der Papst auch erstmals die ökologische Dimension. Er warnt energisch vor dem Raubbau an der Natur. Niemand dürfe „ungestraft von den verschiedenen lebenden oder leblosen Geschöpfen“ bloß „nach eigenem Gutdünken und entsprechend den eigenen wirtschaftlichen Erfordernissen Gebrauch machen“. Er stellt fest: „Im Gegenteil, man muß der Natur eines jeden Wesens und seiner Wechselbeziehung in einem geordneten System wie dem Kosmos Rechnung tragen.“  Die natürlichen Ressourcen gelte es zu achten und die „Verschmutzung der Umwelt“ zu vermeiden. Johannes Paul II. weist auf die moralische Dimension des menschlichen Verhaltens hin: „Die vom Schöpfer dem Menschen anvertraute Herrschaft ist keine absolute Macht noch kann man von der Freiheit sprechen, sie zu »gebrauchen oder zu mißbrauchen« oder über die Dinge zu verfügen, wie es beliebt. Die Beschränkung, die der Schöpfer selber von Anfang an auferlegt hat, ist symbolisch in dem Verbot enthalten, »von der Frucht des Baumes zu essen« (vgl. Gen 2, 16-17); sie zeigt mit genügender Klarheit, daß wir im Hinblick auf die sichtbare Natur nicht nur biologischen, sondern auch moralischen Gesetzen unterworfen sind, die man nicht ungestraft übertreten darf.“ Damit kritisiert er auch das imperialistische Gebaren sowie die schändlichen Taten, die beim Raubbau an natürlichen Ressourcen in der sog. Dritten Welt stattfinden. Ebenso lässt sich beispielsweise an die perfiden Formen von Großwildjagden in Afrika denken. Der Mensch, der sich feindselig gegenüber seinen Mitgeschöpfen und gegenüber der Natur verhält, verstößt gegen den biblischen Auftrag, für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Bemerkenswerterweise nimmt der heilige Johannes Paul II. die Rede von „Strukturen der Sünde“ auf. Es gebe eine „doppelt sündhafte Haltung“, von „Einzelpersonen“ und von „Nationen und Blöcken“: „Wenn man gewisse Formen eines modernen »Imperialismus« im Licht dieser moralischen Kriterien betrachten würde, könnte man entdecken, daß sich hinter bestimmten Entscheidungen, die scheinbar nur von Wirtschaft oder Politik getragen sind, wahrhafte Formen von Götzendienst verbergen: gegenüber Geld, Ideologie, Klasse oder Technologie. Mit dieser Analyse wollte ich vor allem die wahre Natur des Bösen aufzeigen, mit der wir es bei der Frage der Entwicklung der Völker zu tun haben: Es handelt sich um ein moralisches Übel, die Frucht vieler Sünden, die zu »Strukturen der Sünde« führen. Das Böse so zu erkennen bedeutet, auf der Ebene menschlichen Verhaltens den Weg genau anzugeben, den man gehen muß, um es zu überwinden.“ Ungeschmeidig spricht Johannes Paul II. auch mit Blick auf Ökonomie und Ideologie von der Macht des Bösen, von Götzendienst. Das hat ihm damals auch viel Kritik im Westen eingetragen. Doch er blieb unbeirrt und unbeeindruckt. Der Papst fordert Solidarität, ebenso auch die Anerkennung des Naturschutzes und grenzt die katholische Soziallehre von Kommunismus wie Kapitalismus ab: „Die kirchliche Soziallehre ist kein »dritter Weg« zwischen liberalistischem Kapitalismus und marxistischem Kollektivismus und auch keine mögliche Alternative zu anderen, weniger weit voneinander entfernten Lösungen: Sie ist vielmehr etwas Eigenständiges. Sie ist auch keine Ideologie, sondern die genaue Formulierung der Ergebnisse einer sorgfältigen Reflexion über die komplexen Wirklichkeiten menschlicher Existenz in der Gesellschaft und auf internationaler Ebene, und dies im Licht des Glaubens und der kirchlichen Überlieferung. Ihr Hauptziel ist es, solche Wirklichkeiten zu deuten, wobei sie prüft, ob diese mit den Grundlinien der Lehre des Evangeliums über den Menschen und seine irdische und zugleich transzendente Berufung übereinstimmen oder nicht, um daraufhin dem Verhalten der Christen eine Orientierung zu geben. Sie gehört daher nicht in den Bereich der Ideologie, sondern der Theologie, insbesondere der Moraltheologie.“ Heute – im Jahr 2021 – scheint sich die Moraltheologie im eigentlichen Sinne nahezu aufgelöst zu haben. Welche Theologen treten heute noch wortmächtig für die katholische Soziallehre ein? Der heilige Johannes Paul II. ruft im Marianischen Jahr 1987 die Gottesmutter an: „Wie die christliche Frömmigkeit es immer getan hat, empfehlen wir der Allerseligsten Jungfrau die schwierigen Situationen der einzelnen, damit sie diese ihrem Sohne vorlege und von ihm erreiche, daß sie erleichtert und verändert werden. Aber ebenso unterbreiten wir ihr auch die gesellschaftlichen Situationen und die internationale Krise selbst mit ihren beunruhigenden Aspekten

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Marianisch leben

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 11 Maria (Detail) im berühmten Portrait von Antonello da Messina. Foto: CNA/Wikimedia Die Enzyklika „Redemptoris mater“ birgt einen großen Reichtum an Gedanken zur spirituellen Vertiefung, die in der Osterzeit bedacht und erwogen werden können. Der heilige Johannes Paul II. hat sein ganzes Leben hindurch die marianische Treue beispielhaft verkörpert, indem auch er die Weisung der Gottesmutter in apostolischem Auftrag und petrinischem Dienst aufgenommen hat: „Was er euch sagt, das tut.“ Dieses Wort auf der Hochzeit zu Kana bietet so präzise wie erhellend Aufschluss darüber, dass Maria nicht als Miterlöserin auftritt, sondern auf Christus zeigt und auf den gebotenen liebenden Gehorsam gegenüber seinen Worten hinweist. Während des „verborgenen Lebens Jesu“ sei auch das „das Leben Marias »mit Christus verborgen in Gott« (vgl. Kol 3,3) durch den Glauben“ gewesen: „Der Glaube ist nämlich eine Berührung mit dem Geheimnis Gottes. Maria ist ständig, täglich in Berührung mit dem unaussprechlichen Geheimnis Gottes, der Mensch geworden ist, einem Geheimnis, das alles übersteigt, was im Alten Bund offenbart worden ist. Seit dem Augenblick der Verkündigung ist der Geist der Jungfrau und Mutter in die völlige »Neuheit« der Selbstoffenbarung Gottes eingeführt und sich dieses Geheimnisses bewußt geworden.“ Sie wird selig genannt, weil sie geglaubt hat. Maria verkörpert und versinnbildlicht für uns heute die Seligkeit des gotteskindlichen Glaubens, die Schönheit und den Glanz eines Glauben, der nicht nach Amt, Macht und Geltung strebt, sondern liebende Hingabe ist, jedem eigenen Wollen entsagend und sich dem Willen Gottes übereignend. Im menschlichen Wollen liegt keine Größe, oft aber Größenwahn. Der Mensch kann die Wahrheit nicht machen, aber an die Wahrheit glauben und die Wahrheit lieben. Die Wahrheit Gottes lebt nicht aus dem philosophischen Argument, sondern sie ist eingezeichnet in die mütterliche Liebe Marias, eine Liebe, die nicht verdient, sondern nur geschenkt, angenommen und erfahren werden kann. Der heilige Papst schreibt weiter: „Mit Recht können wir also in jenem Satz »Selig ist, die geglaubt hat« gleichsam einen Schlüssel suchen, der uns die innerste Wirklichkeit Marias erschließt: derjenigen, die der Engel im Augenblick der Verkündigung als »voll der Gnade« bezeichnet hat. Wenn sie als die »Begnadete« seit Ewigkeit im Geheimnis Christi gegenwärtig gewesen ist, so erhält sie durch den Glauben in vollem Umfang Anteil an seinem irdischen Lebensweg: Sie schritt voran auf dem »Pilgerweg des Glaubens«. Zugleich macht sie auf diskrete, aber unmittelbare und wirksame Weise dieses Geheimnis Christi für die Menschen gegenwärtig. Und sie tut dies noch immer und ist durch das Geheimnis Christi auch selbst unter den Menschen zugegen.“ In vielen katholischen Familien wird eine besondere Beziehung zur Gottesmutter gepflegt. Es ist auch nicht schwer, Maria zu lieben, wenn wir von ihr – wie von der Mutter – an die Hand genommen, behutsam geführt und angeleitet werden. Möge diese Liebe zur Gottesmutter auch heute in den Familien wachsen. Von Maria dürfen wir Schutz und Fürsprache erhoffen. Sie ist uns nahe, sie begleitet uns auf unserem Weg zu Gott. Johannes Paul II. schreibt mit großer Dankbarkeit und Teilhabe darum über die mütterliche Liebe: „Es gehört zur Natur der Mutterschaft, daß sie sich auf eine Person bezieht. Sie führt immer zu einer einzigartigen und unwiederholbaren Beziehung von zwei Personen: der Mutter zum Kind und des Kindes zur Mutter. Auch wenn ein und dieselbe Frau Mutter von vielen Kindern ist, kennzeichnet ihre persönliche Beziehung zu jedem einzelnen von ihnen wesentlich ihre Mutterschaft. Jedes Kind ist nämlich auf einmalige und unwiederholbare Weise gezeugt worden, und das gilt sowohl für die Mutter als auch für das Kind. Jedes Kind wird auf die nämliche Weise von jener mütterlichen Liebe umgeben, auf der seine menschliche Erziehung und Reifung gründen.“ Er spricht von dem inneren Band, von einer sehr besonderen Beziehung. Der Herr hat am Kreuz zu dem Jünger, den er liebte, gesagt: „Siehe, deine Mutter!“ – und mit diesen Worten auf die Mutterschaft Marias für jeden gläubigen Christen verwiesen: „Man kann ferner sagen, daß in diesen Worten das Motiv für die marianische Dimension im Leben der Jünger Christi klar angegeben wird: nicht nur des Johannes, der zu jener Stunde zusammen mit der Mutter seines Meister unter dem Kreuze stand, sondern jedes Jüngers Christi, jedes Christen. Der Erlöser vertraut seine Mutter dem Jünger an, und zugleich gibt er sie ihm zur Mutter. Die Mutterschaft Marias, die zum Erbe des Menschen wird, ist ein Geschenk, das Christus persönlich jedem Menschen macht. Wie der Erlöser Maria dem Johannes anvertraut, so vertraut er gleichzeitig den Johannes Maria an. Zu Füßen des Kreuzes hat jene besondere vertrauensvolle Hingabe des Menschen an die Mutter Christi ihren Anfang, die dann in der Geschichte der Kirche auf verschiedene Weise vollzogen und zum Ausdruck gebracht worden ist. … Und weil Maria ihm persönlich zur Mutter gegeben worden ist, meint diese Aussage, wenn auch nur indirekt, all das, was die innerste Beziehung eines Kindes zu seiner Mutter ausdrückt. Dies alles kann man in dem Wort »Vertrauen« zusammenfassen. Vertrauen ist die Antwort auf die Liebe einer Person und im Besonderen auf die Liebe der Mutter.“ Wir verstehen die Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen nicht, wenn wir Maria außen vor lassen. Christus vertraut Maria der Obhut des Jüngers an: „Die marianische Dimension im Leben eines Jüngers Christi kommt in besonderer Weise durch ein solches kindliches Vertrauen zur Muttergottes zum Ausdruck, wie es im Testament des Erlösers auf Golgota seinen Ursprung hat. Indem der Christ sich wie der Apostel Johannes Maria kindlich anvertraut, nimmt er die Mutter Christi »bei sich« auf und führt sie ein in den gesamten Bereich seines inneren Lebens, das heißt in sein menschliches und christliches »Ich«: »Er nahm sie zu sich«. … So entfaltet sich auch jene Mutterschaft nach dem Geist, die unter dem Kreuz und im Abendmahlssaal Marias Aufgabe geworden ist.“ Wenn wir uns von der Gottesdienstkindschaft emanzipieren und uns zu einer Autonomie des Menschen bekennen, die in der Moderne und Postmoderne nicht als Abgrund der Sünde gefürchtet, sondern als Befreiung glorifiziert wird, entfremden wir uns auch von der Mutter des Herrn. Der Sünder wendet sich in törichtem Ungehorsam ab, von Christus,

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Maria voll der Gnade

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 10 Maria Foto: DDP / Unsplash (CC0 Am hohen Osterfest wird uns immer wieder bewusst, dass dies die Stunde der Frauen ist: Das Grab ist leer, der Herr ist von den Toten erstanden – und Maria von Magdala bezeugt dies, so dass sie den Jüngern verkünden kann: „Ich habe den Herrn gesehen.“ In gleicher Weise wissen wir, dass die Gottesmutter ihr „Fiat“ gesprochen hat, als der Engel der Verkündigung ihr erschienen war. Im Herzen von Maria ist über die Erlösung entschieden worden. Der heilige Johannes Paul II. hat sein ganzes Pontifikat mit „Totus tuus“ bezeichnet. Er lehrte uns neu, mit Marias Augen auf Christus zu schauen. Die von ihm am 25. März 1987 veröffentlichte Enzyklika „Redemptoris mater“ ist darum zugleich marianisch und christozentrisch. Der heilige Papst spricht in besonderer Weise von dem Geschenk der Gnade: „In der Sprache der Bibel bedeutet »Gnade« ein besonderes Geschenk, das seine Quelle nach dem Neuen Testament im dreifaltigen Leben Gottes selbst hat, jenes Gottes, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8). Frucht dieser Liebe ist die »Erwählung«, von der der Epheserbrief spricht. Von Gott her ist diese »Erwählung« sein ewiger Wille, den Menschen durch die Teilhabe an seinem eigenen Leben (vgl. 2 Petr 1, 4) in Christus zu retten: Es ist die Rettung durch Teilhabe am übernatürlichen Leben. Die Wirkung dieses ewigen Geschenkes, dieser Gnade der Erwählung des Menschen durch Gott, ist wie ein Keim der Heiligkeit oder wie eine Quelle, die in der Seele des Menschen aufsprudelt als Geschenk Gottes selbst, der die Erwählten durch die Gnade belebt und heiligt. Auf diese Weise erfüllt sich, das heißt verwirklicht sich jene »Segnung« des Menschen »mit allem Segen seines Geistes«, jenes »seine Söhne werden in Christus«, in dem, der von Ewigkeit her der »geliebte Sohn« des Vaters ist.“ Der Weg des Christen ist die Einübung und Vertiefung, das geistliche Wachstum mit dem Ziel der Heiligkeit, nicht das Streben nach Macht oder ein blinder Leistungseifer. Der gläubige Mensch wächst heran, geht aufrecht durch das Leben und lernt zu knien, demütig zu sein und anzubeten. Wir bezeugen heute alle neu, wie der Ungeist der Verwirrung in die Kirche einzieht, törichte Gestaltungsabsichten um sich greifen und ein dämonisches Machtbewusstsein Kleriker wie Weltchristen antreibt, sich von Gott abzuwenden und ihre eigenen Pläne umzusetzen. Wie sehr könnte heute Maria neu zu einem Vorbild im Glauben werden, zur Fürsprecherin in einer Zeit der geistlichen Dürre und Not. Hellsichtig deutet Johannes Paul II. die Dimensionen der Gnade: „Zugleich aber weist die Fülle der Gnade auf das gesamte übernatürliche Gnadengeschenk hin, das Maria besitzt, weil sie zur Mutter Christi erwählt und bestimmt worden ist. Wenn diese Erwählung grundlegend ist für die Verwirklichung der Heilspläne Gottes gegenüber der Menschheit, wenn die Erwählung in Christus von Ewigkeit her und die Berufung zur Würde der Sohnschaft sich auf alle Menschen beziehen, so ist die Erwählung Marias völlig einzigartig und einmalig. Hieraus folgt dann auch die Einzigartigkeit ihrer Stellung im Geheimnis Christi.“ Es geht um die „Heilspläne Gottes“, nicht um unsere eigenen Absichten. Wenn wir an den Schöpfungsbericht denken, der in der Liturgie der Osternacht verkündet wird, so wird uns auch gewahr, dass Adam und Eva sich von der Schlange verführen ließen, betört von weltlichen Gelüsten einem widergöttlichen Begehren erlagen – ein Entscheid wider Gottes Weisungen. Die Freiheit des Menschen, sich bewusst von Gott abzuwenden, könnte uns heute noch schaudern lassen. Doch fürchten wir die Sünde? Es ist nur ein ganz kleiner Schritt. Die Macht des Bösen besteht fort. Die Versuchungen sind groß in einer Welt, die auf die Autonomie und Emanzipation des Menschen sich ausgerichtet hat – und, wieder einmal, die Kirche ganz neu erfinden will. Auf dem Weg Marias finden wir zu Gott. Sie zeigt uns ihren Sohn: „Im Heilsplan der Heiligsten Dreifaltigkeit stellt das Geheimnis der Menschwerdung die überreiche Erfüllung der Verheißung dar, die Gott den Menschen nach der Ursünde gegeben hatte, nach jener ersten Sünde, deren Folgen auf der gesamten Geschichte des Menschen auf Erden lasten (vgl. Gen 3, 15). So kommt ein Sohn zur Welt, der »Nachwuchs« einer Frau, der das Übel der Sünde an der Wurzel selbst besiegen wird: »Er trifft (die Schlange) am Kopf«. Wie aus den Worten des Protoevangeliums hervorgeht, wird der Sohn der Frau erst nach einem harten Kampf siegen, der die ganze Geschichte des Menschen durchziehen muß. Die »Feindschaft«, zu Anfang angekündigt, wird im Buch der Offenbarung, dem Buch der letzten Dinge der Kirche und der Welt, bestätigt: Hier begegnet uns erneut das Zeichen einer »Frau«, diesmal »mit der Sonne bekleidet« (Offb 12, 1). Maria, Mutter des menschgewordenen ewigen Wortes, wird in die Mitte jener Feindschaft gestellt, jenes Kampfes, der die Geschichte der Menschheit auf Erden und auch die Heilsgeschichte selbst begleitet. An diesem Ort trägt sie, die zu den »Demütigen und Armen des Herrn« gehört, wie kein anderer unter den Menschen jene »herrliche Gnade« in sich, die der Vater »uns in seinem geliebten Sohn geschenkt hat«, und diese Gnade bestimmt die außergewöhnliche Größe und Schönheit ihres ganzen menschlichen Seins. Maria bleibt so vor Gott und auch vor der ganzen Menschheit gleichsam das bleibende und unzerstörbare Zeichen jener Erwählung durch Gott, von der der Paulusbrief spricht: »In ihm (Christus) hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, … dazu bestimmt, seine Söhne zu werden« (Eph 1, 4. 5). Diese Erwählung ist stärker als jede Erfahrung des Bösen und der Sünde, all jener »Feindschaft«, von der die Geschichte des Menschen geprägt ist. In dieser Geschichte bleibt Maria ein Zeichen sicherer Hoffnung.“ So empfiehlt uns der heilige Papst, nicht zeitgeistlichen Erscheinungen zu folgen, sondern uns der Gottesmutter Maria, dem „Zeichen sicherer Hoffnung“, ganz anzuvertrauen, ihrem Schutz und ihrer Fürsprache. Quelle: CNA Deutsch, 3. April, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Vorbilder der Verkündigung

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 7 Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 Foto: Vatican Media Wenig bekannt und selten rezipiert ist die Enzyklika „Slavorum apostoli“ , die Papst Johannes Paul II. den Heiligen Cyrill und Methodius, den Brüdern, die „Apostel der Slawen“ genannt werden, gewidmet und am 2. Juni 1985 publiziert hat. Auch über die Lebensläufe und die Bedeutung der beiden Heiligen für die Kirchengeschichte legt er hierin Betrachtungen vor, die heute noch mit Gewinn studiert werden können. Vor allem aber geht es ihm auch darum, das Wirken der Heiligen mit Blick auf die Gegenwart zu deuten. Die Herrschaft des Kommunismus im Osten besteht 1985 fort, in Westeuropa fallen immer mehr Gläubige vom Glauben ab und erliegen den Verlockungen des Konsumismus. Der Papst sieht das alles sehr genau. Die Entfremdung von Gott schreitet voran. Von Gott ist in Europa vielerorts schon lange nicht mehr die Rede. Die Patrone Europas – und Slawenapostel – Kyrill und Method: Vor 40 Jahren, am 31. Dezember 1980, veröffentlicht Papst St. Johannes Paul II. die Enzyklika #SlavorumApostoli 👨🏻‍🎨 Gemälde von Jan Matejko #Evangelisierung #Mission #Europa pic.twitter.com/AUVfD8QlIv — CNA Deutsch (@CNAdeutsch) December 29, 2020 Im Dienst der Evangelisierung wollten die Brüder das Wort Gottes den Völkern der Slawen vertraut machen – und dies mit einer geeigneten katechetischen Methode. Es ging um eine passende Übersetzung, modern gesprochen, in die Lebenswirklichkeit der Slawen. Wie in einigen Nationalkirchen des Orients wurde auch bei den Slawen in der Liturgie die Sprache benutzt, in der sich das Volk verständigte. Der heilige Johannes Paul II. schreibt: „Im Bewußtsein des Alters und der Legitimität dieser ehrwürdigen Traditionen hatten beide Brüder keinerlei Bedenken, die slawische Sprache für die Liturgie zu gebrauchen, sondern benützten sie als wirksames Werkzeug, um die göttlichen Wahrheiten allen Menschen dieser Sprache näherzubringen. Sie taten dies in einer geistigen Haltung, der jedes Gefühl der Überlegenheit oder Vorherrschaft fremd war, allein aus Liebe zur Gerechtigkeit und mit eindeutigem apostolischem Eifer gegenüber den Völkern, die dabei waren, sich zu entwickeln.“ Dies bedeutete jedoch nicht, den Bund mit Rom zu schwächen oder nationalkirchliche Besonderheiten herauszustellen im Sinne einer bewussten Abgrenzung: „Die Überzeugung der beiden heiligen Brüder von Saloniki, wonach jede Ortskirche dazu berufen ist, mit ihren eigenen Gaben die katholische »Fülle« anzureichern, stimmte vollkommen überein mit ihrer dem Evangelium entnommenen Sicht, daß die verschiedenen Lebensbedingungen der einzelnen christlichen Kirchen niemals Unstimmigkeiten, Zwietracht und Spaltungen im Bekenntnis des einen Glaubens und in der Praxis der Liebe rechtfertigen können.“ So standen die Apostel der Slawen für den unverfälschten Glauben der Kirche ein, den sie weder abschwächen noch anpassen wollten. Es ging ihnen um die echte Katholizität, nicht um regionale Sonderwege: „Die Kirche ist auch darum katholisch, weil sie es versteht, die geoffenbarte Wahrheit, die sie in ihrem göttlichen Inhalt unversehrt behütet, in jeder menschlichen Umgebung so vorzulegen, daß es zu einer geistigen Begegnung mit den höchsten Ideen und den berechtigten Erwartungen jedes Menschen und jedes Volkes kommt. Zudem ist das gesamte Erbe an Werten, das jede Generation der nächsten verbunden mit dem unschätzbaren Geschenk des Lebens übergibt, wie eine bunte und überreiche Menge von charakteristischen Farben, die zusammen das lebende Mosaik des Pantokrátor bilden, der sich in seinem vollen Glanz erst im Augenblick der Wiederkunft offenbaren wird.“ Für jeden Menschen, für jedes Volk und jede Nation sei das Evangelium eine Bereicherung. Die Christen sind darum berufen, das Evangelium zu verkündigen – und nicht dieses anzupassen, zurechtzuschneiden oder zu verkleinern. Als Diener der Frohen Botschaft haben Cyrill und Methodius Wege der „Inkulturation“ gefunden, auf eine Weise, wie dies heute vielleicht auch in dem zunehmend säkular anmutenden alten Europa wieder nötig wäre. Nicht also synodale Alleingänge und Strukturreformen dienen der Verkündigung und Vertiefung des Glaubens, sondern die glaubwürdige und aufrichtige Verkündigung der Botschaft Christi und der Lehre der Kirche. Wer wollte bestreiten, dass etwa die westlichen Kulturen heute in Häresie und Apostasie geraten sind und so leben, als wüssten sie nichts mehr von Gott und Seiner Kirche? Missionare wie Cyrill und Methodius können darum als Vorbilder und Beispiele auch für unsere Zeit taugen: „Im Werk der Evangelisierung, das sie als Pioniere in den von slawischen Völkern bewohnten Gebieten vollbracht haben, findet sich zugleich ein Beispiel für das, was man heute als »Inkulturation« bezeichnet − die Inkarnation des Evangeliums in den einheimischen Kulturen − wie auch die Eingliederung dieser Kulturen in das Leben der Kirche.“ Cyrill und Methodius erinnern auch an die Sehnsucht nach Einheit der „Schwesterkirchen des Ostens und des Westens“, sie seien eine „geistige Brüche zwischen der östlichen und westlichen Tradition“. Leidenschaftlich appelliert Johannes Paul II. an den Austausch der Kirchen untereinander und lädt ein zum Gebet für ein Europa, das sich auf seine christlichen Wurzeln besinnt: „Indem Cyrill und Methodius ihr eigenes Charisma verwirklichten, leisteten sie einen entscheidenden Beitrag zur Bildung Europas, und zwar nicht nur in der religiösen, christlichen Gemeinschaft, sondern auch für seine gesellschaftliche und kulturelle Einheit. Auch heute gibt es keinen anderen Weg, um die Spannungen zu überwinden und die Risse und Gegensätze in Europa und in der Welt zu beheben, die eine entsetzliche Zerstörung von Leben und Werten herbeizuführen drohen. Christen zu sein in unserer Zeit bedeutet Baumeister an der Gemeinschaft in der Kirche und in der Gesellschaft zu sein. Zu diesem Zweck sind von besonderem Wert ein offenes Herz gegenüber den Brüdern, gegenseitiges Verständnis, Bereitschaft zur Zusammenarbeit durch einen ausgiebigen Austausch der kulturellen und geistigen Güter.“ Der heilige Papst schreibt weiter: „Die ganze Kirche soll deshalb mit festlicher Freude die elf Jahrhunderte feiern, die seit der Beendigung des apostolischen Wirkens des ersten in Rom für die slawischen Völker geweihten Erzbischofs, des Methodius, und seines Bruders Cyrill vergangen sind, in Erinnerung daran, daß hiermit diese Völker auf die Weltbühne der Heilsgeschichte getreten sind und in die Zahl der europäischen Nationen eingegliedert wurden, die schon während der vorhergehenden Jahrhunderten die Botschaft des Evangeliums angenommen hatten. Alle können verstehen, mit welch großer Freude der erste Sohn slawischer Herkunft an dieser Jubiläumsfeier teilzunehmen gedenkt, der berufen ist, nach fast zweitausend Jahren den Bischofssitz innezuhaben, der in dieser Stadt Rom dem

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Spiritualität der Arbeit

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 6 Foto: Zoe Schaeffer / Unsplash (CC0) Am 14. September 1981 – nur vier Monate nach dem Attentat auf dem Petersplatz – publiziert Johannes Paul II. die Sozialenzyklika „Laborem exercens“, in der er sich zur Tradition der katholischen Soziallehre bekennt und die Würde des arbeitenden Menschen bekräftigt. Zugleich widmet er sich der „Spiritualität der Arbeit“. Der Papst möchte also über Arbeit auch im geistlichen Sinne nachdenken, nicht zuletzt weil stets der „ganze Mensch beteiligt ist“, mit „Körper und Geist, unabhängig davon, ob es sich um körperliche oder um geistige Arbeit handelt“: „Dem ganzen Menschen gilt auch die Frohbotschaft des Evangeliums, in der wir viele Aussagen finden, die ein besonderes Licht auf die menschliche Arbeit werfen. Solche Aussagen erfordern aber eine entsprechende Aneignung; sie verlangen ein inneres Bemühen des menschlichen Geistes unter der Leitung von Glaube, Hoffnung und Liebe, wenn sie der Arbeit des konkreten Menschen jene Bedeutung geben sollen, die sie in den Augen Gottes hat und durch die sie zum Heilsgeschehen gehört, unbeschadet ihrer weltlichen Struktur und Verflechtung, die ihre besondere Bedeutung behalten.“ Die Arbeit in der Welt ist ein Weg der geistlichen Vertiefung, ja ist der Weltdienst des Christgläubigen, der arbeitend Gott näherkommt und bestellt ist, „an seinem Heilsplan für Mensch und Welt mitzuwirken und in ihrem Leben die Freundschaft mit Christus zu vertiefen“. Dem heiligen Johannes Paul II. ist es stets wichtig, die Würde der Person hervorzuheben und ganzheitlich vom Menschen zu denken. In dem Sinne kann und darf ein arbeitender Mensch niemals als Sklave oder unter unwürdigen Bedingungen zu Dienst verpflichtet werden. Die christliche Botschaft der Erlösung darf der sozialen Frage nicht ausweichen, und die Kirche ist dazu bestellt, sich zu diesen Themen im Sinne des Evangeliums zu äußern. Der Mensch nimmt als „Abbild Gottes“ mit seiner Arbeit „am Werk des Schöpfers“ teil. Die Würde der Arbeit bestünde darin, dass der Mensch berufen ist, Gott zu ehren und auch arbeitend nachzunahmen. Das schließt auch jede ungemäße Herrschaft über die Schöpfung und jeden Raubbau an der Natur aus: „Der Mensch soll Gott nachahmen sowohl in der Arbeit als auch in der Ruhe, da Gott selbst ihm sein eigenes schöpferisches Tun in der Form der Arbeit und der Ruhe vor Augen führen wollte.“ Zugleich betont der Papst den Wert der Sonntagsruhe und insistiert, dass der Mensch von Arbeit nicht okkupiert sein dürfe. Im „Inneren des Menschen“ müsse ein „Freiraum“ bleiben, „wo der Mensch immer mehr das wird, was er dem Willen Gottes entsprechend sein soll“. Die Spiritualität zeigt sich in einem doppelten Sinne – in der Würde der Arbeit selbst, in der Teilhabe am Schöpfungswerk und in der Nachfolge Christi, der selbst ein „Mann der Arbeit“ gewesen sei – dem Beispiel des Pflegevaters Josef, dem Zimmermann, folgend: „Wenn wir auch in seinen Worten keine besondere Ermahnung zur Arbeit finden, sondern einmal sogar ein Verbot übertriebener Sorge um Arbeit und Unterhalt, so ist doch die Sprache des Lebens Christi selbst eindeutig: Er gehört zur »Welt der Arbeit«, anerkennt und achtet die menschliche Arbeit. Man kann sogar sagen: Er schaut mit Liebe auf die Arbeit und ihre verschiedenen Formen, deren jede ihm ein besonderer Zug in der Ähnlichkeit des Menschen mit Gott, dem Schöpfer und Vater, ist.“ So scheut sich Johannes Paul II. nicht, mit Blick auf den Herrn von einem „diskreten Evangelium der Arbeit“ zu sprechen, „das wir in Christi Leben und Gleichnissen finden“. Die Wertschätzung der Arbeit wird in den Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Ausdruck gebracht. Ebenso wird nachdrücklich daran erinnert, dass der Mensch nicht nur von seiner Arbeit her verstanden werden soll. Unwürdig sind jegliche Formen der Ausbeutung und Entfremdung, unwürdig ist eine Wirtschaftspolitik, in der die Profitmaximierung einiger weniger oder einer elitären Gruppe betrieben wird, aber die Sorgen der Arbeiter und Arbeitslosen ignoriert werden und unberücksichtigt bleiben. Unangemessen ist für Johannes Paul II. die Relativierung von bestimmten Arbeitsformen: „Noch ein Aspekt der menschlichen Arbeit, eine ihrer wesentlichen Dimensionen, wird von der Spiritualität aus dem Evangelium tief durchdrungen. Jede Arbeit – ob körperlich oder geistig – ist unvermeidlich mit Mühen verbunden.“ Die Mühsal, die jede Arbeit bereitet, ist auch ein Aspekt der Passionsgemeinschaft mit Christus: „Schweiß und Mühsal, welche die Arbeit in der gegenwärtigen Heilssituation der Menschheit notwendigerweise mit sich bringt, bieten dem Christen und jedem Menschen, der zur Nachfolge Christi berufen ist, die Möglichkeit zur liebenden Teilnahme an jenem Werk, für das Christus gekommen ist. Dieses Heilswerk wurde durch Leid und Kreuzestod vollzogen. Indem der Mensch die Mühsal der Arbeit in Einheit mit dem für uns gekreuzigten Herrn erträgt, wirkt er mit dem Gottessohn an der Erlösung der Menschheit auf seine Weise mit. Er erweist sich als wahrer Jünger Christi, wenn auch er Tag für Tag bei der ihm aufgegebenen Tätigkeit sein Kreuz auf sich nimmt.“ So ist auch das Kreuz gegenwärtig in der Mühsal des Tagewerks, das der Weltchrist vollbringt. Die Mühsal, so betont Johannes Paul II., ist ein notwendiger Teil der menschlichen Arbeit, ebenso des Lebens als Ebenbild Gottes überhaupt: „So bestätigt sich einerseits die Unausweichlichkeit des Kreuzes in der Spiritualität der menschlichen Arbeit; andererseits enthüllt sich bereits in diesem Mühsal-Kreuz ein neues Gut, das von der Arbeit ausgeht: von der Arbeit, verstanden in der Tiefe und Fülle ihrer Bedeutung – und nie ohne die Arbeit.“ Quelle: CNA Deutsch, 06. März, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Quellen des Erbarmens

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 5 Der heilige Johannes Paul II. war Papst von 1978 bis 2005; Foto: CC Wikimedia Christus berührt, aber er erregt auch in den Stunden seiner Passion Anstoß. In der „selbstlosen Hingabe“ könne auch ein Ungläubiger den Herrn entdecken und erkennen. Die „göttliche Dimension“ reiche jedoch weiter: „Das auf Golgota errichtete Kreuz, an dem Christus sein letztes Zwiegespräch mit dem Vater führt, erwächst aus dem innersten Kern jener Liebe, die dem nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffenen Menschen gemäß dem ewigen Plan Gottes geschenkt worden ist. … Es sind dies die Bande der Liebe, die nicht nur das Gute hervorbringt, sondern am Leben Gottes selbst, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, teilhaben läßt. Wer liebt, den drängt es ja, sich selbst zum Geschenk zu machen.“ Von der Hingabe spricht Johannes Paul II. sein ganzes Leben hindurch, bis in die Stunden seiner eigenen Passion hinein, als er sich sterbend ganz in Gottes Hand begibt. Unvergessen bleibt, wie sich der leidende Papst der Welt zeigte, als Stellvertreter Christi, als Zeuge des Herrn, von großen Schmerzen gezeichnet. Das Kreuz, so Johannes Paul II., sei eine „Einladung an den Menschen“, sich und darüber hinaus die „ganze sichtbare Welt Gott hinzugeben und so an seinem Leben teilzuhaben“. Auf dem Kalvarienberg werde der „neue und endgültige Bund“ geschlossen, der „allen und einem jeden offensteht“. Doch verstehen wir die Botschaft des Kreuzes Christi auch heute als Zeichen von Gottes „ewiger Liebe zum Menschen“? Dieser Liebe zu seinen Geschöpfen bleibt er „unverbrüchlich treu“. Johannes Paul II. betont: „An diese Liebe glauben, heißt, an das Erbarmen glauben.“ Die Wirklichkeit des Kreuzes bezeugt auch die „Kraft des Bösen“, das dem Sohn Gottes gegenüber sich machtvoll zeigt: „Gerichtet wird auch der Tod, der sich seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte mit der Sünde verbündet hat. Er wird gerichtet im Tod dessen, der ohne Sünde war und als einziger – durch seinen Tod – dem Tod den Todesstreich versetzen konnte. Auf diese Weise ist das Kreuz Christi, an welchem der dem Vater wesensgleiche Sohn Gott die gerechte Sühne darbringt, auch eine radikale Offenbarung des Erbarmens, das heißt der Liebe, die gegen die Wurzel allen Übels in der Geschichte des Menschen angeht – gegen Sünde und Tod.“ Liebe, so sagen auch wir, sei stärker als der Tod. Wir möchten daran glauben, so sehr. Wenn wir den Kreuzweg beten, beugen wir die Knie und bekennen: „Gekreuzigter Herr Jesus Christus, wir beten dich an und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ Wir knien in Demut und Dankbarkeit nieder, weil sich „Gott am tiefsten zum Menschen herab“ geneigt hat – erhöht am Kreuz: „Im Kreuz werden gleichsam von einem heilenden Hauch der ewigen Liebe die schmerzlichsten Wunden der irdischen Existenz des Menschen berührt.“ Das „messianische Programm“ Jesu erfahre im Kreuz die „letzte Vollendung“. Der heilige Papst zählt auf, was hierzu gehört – die barmherzige Liebe zu den Armen, zu den Kranken, zu den Unterdrückten und zu den Sündern. Es ist die Botschaft der Barmherzigkeit: „Im Paschageheimnis wird die Schranke des vielfachen Übels, in das der Mensch in seiner irdischen Existenz verstrickt ist, überschritten: das Kreuz Christi läßt uns die tiefsten Wurzeln des Übels verstehen, die in die Sünde und den Tod hinabreichen, und wird so auch zu einem eschatologischen Zeichen. Erst in der endzeitlichen Erfüllung und in der endgültigen Erneuerung der Welt wird die Liebe in allen Auserwählten die tiefsten Quellen des Übels besiegen und als vollreife Frucht das Reich des Lebens, der Heiligkeit und der seligen Unsterblichkeit hervorbringen. Das Fundament dieser endzeitlichen Vollendung ist bereits im Kreuz Christi und in seinem Tod gelegt.“ Die Auferstehung Christi am dritten Tag sei das „endgültige Zeichen der messianischen Mission“, ja die „Krönung der ganzen Offenbarung der erbarmenden Liebe in einer vom Übel geprägten Welt“. Unser Alltag ist oft von Kleinigkeiten bestimmt, die wir für sehr groß halten. Viele vergessen das kleine Fest der Auferstehung, das wir jeden Sonntag in der heiligen Messe feiern, in der wir nach der Konsekration der Gaben von Brot und Wein beten und bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Doch leben wir aus dieser eschatologischen Hoffnung? Wissen wir, was wir kniend bekunden? Johannes Paul II. schreibt: „In der endzeitlichen Vollendung wird sich das Erbarmen als Liebe offenbaren; in der Zeitlichkeit, in der menschlichen Geschichte, einer Geschichte von Sünde und Tod, muß sich die Liebe vor allem als Erbarmen offenbaren und vollziehen. Das messianische Programm Christi, sein Programm des Erbarmens, wird zum Programm seines Volkes, der Kirche. Im Mittelpunkt dieses Programms steht immer das Kreuz; denn in ihm erreicht die Offenbarung der erbarmenden Liebe ihren Höhepunkt.“ Führen wir unser Leben als Zeugen der Auferstehung des Herrn und als Boten der barmherzigen Liebe Gottes? Der Herr, so Johannes Paul II., habe in Worten und Taten Gottes Liebe und Barmherzigkeit gezeigt: „Das Paschageheimnis ist Christus am Höhepunkt der Offenbarung des unerforschlichen Geheimnisses Gottes. Gerade hier bewahrheiten sich voll und ganz die im Abendmahlssaal gesprochenen Worte: »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen«. … In seiner Auferstehung hat Christus gerade insofern den Gott der erbarmenden Liebe geoffenbart, als er das Kreuz als Weg zur Auferstehung auf sich genommen hat.“ Der Sohn Gottes habe „in radikaler Weise“ das Erbarmen, also die „Liebe des Vaters, die stärker ist als der Tod“, erfahren. Christus selbst ist die „unerschöpfliche Quelle des Erbarmens, derselben Liebe, die in der weiteren Perspektive der Heilsgeschichte in der Kirche sich ständig stärker als die Sünde erweisen wird“: „Der österliche Christus ist die endgültige Inkarnation des Erbarmens, dessen lebendiges, heilsgeschichtliches und zugleich endzeitliches Zeichen.“ Vergessen wir darum nicht, unseren Glauben an die heilige katholische Kirche zu bekennen. Es ist nicht unsere Kirche, sondern wir dürfen der Kirche des Herrn angehören – und darum war, darum ist, darum bleibt die Kirche heilig, solange die Welt besteht. Die Kirche war, ist und bleibt der Ort, an dem Gottes Barmherzigkeit erfahrbar wird in dieser Welt – besonders in der Feier der

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„Der Mensch ist der Weg der Kirche“

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 2 Papst Johannes Paul II. auf der Marmolata; Foto: ChurchPOP Von Ängsten, Sorgen und Nöten ist das menschliche Dasein bestimmt. Ein Baby sehnt sich nach der liebevollen Zuwendung seiner Mutter und wird erst ruhig, wenn es in ihren Armen geborgen liegt und wenn ihr liebender Blick auf ihm ruht. Doch Ängste bleiben. So manches Kind begibt sich bekümmert und traurig auf den Weg zur Schule, weil es dort die Feindseligkeit dieser Welt in vielerlei Gestalt fürchtet und nichts sehnlicher hofft, als schadlos heimkehren zu dürfen. Für viele Kinder heute ist auch die eigene Familie ein trostloses Obdach, zerrissen von Streit und Entzweiung. Später machen viele junge und ältere Menschen bittere Erfahrungen, persönlich oder im Berufsleben. Unverschuldet entstehen belastende Situationen, in armen Ländern und in materiell reichen Gesellschaften. Wer an die säkulare Ideologie der Selbstverwirklichung glaubt und zu hören bekommt: „Du hast aus deinem Leben ja nichts Vernünftiges gemacht, du bist doch selbst schuld.“ – der kann nur traurig werden und verzweifeln, in einer bunt illuminierten, lieblosen Welt. Der heilige Johannes Paul II. hat in der ersten Enzyklika „Redemptor hominis„ das Geheimnis der Erlösung beschrieben: „Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen; sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält. Und eben darum macht Christus, der Erlöser, wie schon gesagt, dem Menschen den Menschen selbst voll kund. … Im Geheimnis der Erlösung wird der Mensch »neu bestätigt« und in gewisser Weise neu geschaffen. Er ist neu erschaffen! … Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will – nicht nur nach unmittelbar zugänglichen, partiellen, oft oberflächlichen und sogar nur scheinbaren Kriterien und Maßstäben des eigenen Seins –, muß sich mit seiner Unruhe, Unsicherheit und auch mit seiner Schwäche und Sündigkeit, mit seinem Leben und Tode Christus nahen. Er muß sozusagen mit seinem ganzen Selbst in ihn eintreten, muß sich die ganze Wirklichkeit der Menschwerdung und der Erlösung »aneignen« und assimilieren, um sich selbst zu finden.“ So gelangt er zur Anbetung und beginnt über sich selbst zu staunen: Der Mensch entdeckt sich als Gottes geliebtes Kind. Er möchte lieben und geliebt sein. Von dem Staunen spricht der Papst, das den Gläubigen erfüllt, wenn er die Schönheit der Würde des Menschen – auch seiner selbst – entdeckt, von der Empfängnis bis in die Stunde des Todes hinein. Darum ist die Kirche berufen und beauftragt, für den Lebensschutz einzustehen und sich nicht mit den Philosophien, Ideologien und politischen Mächten dieser Welt verständnisinnig gemein zu machen: „Die Kirche, die nicht aufhört, das Geheimnis Christi in seiner Gesamtheit zu betrachten, weiß mit voller Glaubensgewißheit, daß die Erlösung, die durch das Kreuz erfolgt ist, dem Menschen endgültig seine Würde und den Sinn seiner Existenz in der Welt zurückgegeben hat, den Sinn, den er in beachtlichem Maße durch die Sünde verloren hatte. Deshalb hat die Erlösung sich im Ostergeheimnis vollendet, das durch das Kreuz und den Tod zur Auferstehung führt.“ Die Kirche, so erinnert Johannes Paul II., ist dazu bestellt, Christus zu verkündigen – und gerade heute, so scheint es, muss im Zeitalter des Relativismus, dessen dämonische Macht auch in den Raum der Kirche eingezogen ist, ihr wahrer Auftrag neu sichtbar werden. Das Evangelium muss verkündet werden, beherzt, mit Leidenschaft und Freude. Wenn in der Kirche nicht von Gott die Rede ist, dann verleugnet sie ihre Bestimmung: „Jeder Mensch soll Christus finden können, damit Christus jeden einzelnen auf seinem Lebensweg begleiten kann mit jener kraftvollen Wahrheit über den Menschen und die Welt, wie sie im Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung enthalten ist, mit der Macht jener Liebe, die hiervon ausstrahlt. … Jesus Christus ist der Hauptweg der Kirche. Er selbst ist unser Weg zum Haus des Vaters und ist auch der Zugang zu jedem Menschen. Auf dieser Straße, die von Christus zum Menschen führt, auf der Christus jedem Menschen zur Seite tritt, darf die Kirche sich von niemandem aufhalten lassen. Das fordert das zeitliche wie auch das ewige Heil des Menschen.“ Von Christus her gewinnt die Kirche ihre Orientierung. Es geht, so Johannes Paul II., nicht um Abstraktionen, nicht um Ideen des Menschseins und nicht um irgendwelche Fantasien scheinbar pastoraler Gestaltung: „Jeder Mensch, der im Mutterschoß empfangen und von seiner Mutter in diese Welt hineingeboren wird, ist gerade wegen dieses Erlösungswerkes der Obhut der Kirche anvertraut.“ Das gilt vom Beginn des Lebens, „vom ersten Moment an, da er unter dem Herzen der Mutter empfangen wird“. Leidenschaftlich schreibt Johannes Paul II., dass die Kirche nicht am Menschen vorbeigehen dürfe, das heißt also – sie ist nicht dazu bestellt, den Menschen in seinen Irrtümern zu bestätigen, sondern ihm den Weg der Heiligkeit zu zeigen, ihn in Wahrheit und Liebe zu begleiten: „Der Mensch in seiner Einmaligkeit – weil er »Person« ist – hat seine eigene Lebensgeschichte und vor allem eine eigene Geschichte seiner Seele. … Dieser Mensch ist der erste und grundlegende Weg der Kirche, ein Weg, der von Christus selbst vorgezeichnet ist und unabänderlich durch das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung führt.“ Die „fortwährende Neigung zur Sünde“ bestehe in ihm ebenso wie der „ständige Durst nach Wahrheit, nach dem Guten und Schönen“: „Als schwacher Mensch und Sünder tut er oft das, was er nicht will, und was er tun wollte, tut er nicht. So leidet er an einer inneren Zwiespältigkeit, und daraus entstehen viele und schwere Zerwürfnisse auch in der Gesellschaft«.“ Wir wissen, dass heute selbst in der Kirche oft der Begriff und die Wirklichkeit der Sünde geleugnet werden. Wer den Begriff tilgt, tilgt aber nicht die Wirklichkeit der Sünde. Johannes Paul II. fordert eine Klarheit, die die wahre Aufklärung und die Botschaft der Erlösung in ihrer ganzen Schönheit bewusst macht. Der Mensch ist der „Weg der Kirche“: „Da also der Mensch der Weg der Kirche ist, der Weg ihres täglichen Lebens und Erlebens, ihrer Aufgaben und Mühen,

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