Hl. Johannes Paul II.

Maria voll der Gnade

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 10 Maria Foto: DDP / Unsplash (CC0 Am hohen Osterfest wird uns immer wieder bewusst, dass dies die Stunde der Frauen ist: Das Grab ist leer, der Herr ist von den Toten erstanden – und Maria von Magdala bezeugt dies, so dass sie den Jüngern verkünden kann: „Ich habe den Herrn gesehen.“ In gleicher Weise wissen wir, dass die Gottesmutter ihr „Fiat“ gesprochen hat, als der Engel der Verkündigung ihr erschienen war. Im Herzen von Maria ist über die Erlösung entschieden worden. Der heilige Johannes Paul II. hat sein ganzes Pontifikat mit „Totus tuus“ bezeichnet. Er lehrte uns neu, mit Marias Augen auf Christus zu schauen. Die von ihm am 25. März 1987 veröffentlichte Enzyklika „Redemptoris mater“ ist darum zugleich marianisch und christozentrisch. Der heilige Papst spricht in besonderer Weise von dem Geschenk der Gnade: „In der Sprache der Bibel bedeutet »Gnade« ein besonderes Geschenk, das seine Quelle nach dem Neuen Testament im dreifaltigen Leben Gottes selbst hat, jenes Gottes, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8). Frucht dieser Liebe ist die »Erwählung«, von der der Epheserbrief spricht. Von Gott her ist diese »Erwählung« sein ewiger Wille, den Menschen durch die Teilhabe an seinem eigenen Leben (vgl. 2 Petr 1, 4) in Christus zu retten: Es ist die Rettung durch Teilhabe am übernatürlichen Leben. Die Wirkung dieses ewigen Geschenkes, dieser Gnade der Erwählung des Menschen durch Gott, ist wie ein Keim der Heiligkeit oder wie eine Quelle, die in der Seele des Menschen aufsprudelt als Geschenk Gottes selbst, der die Erwählten durch die Gnade belebt und heiligt. Auf diese Weise erfüllt sich, das heißt verwirklicht sich jene »Segnung« des Menschen »mit allem Segen seines Geistes«, jenes »seine Söhne werden in Christus«, in dem, der von Ewigkeit her der »geliebte Sohn« des Vaters ist.“ Der Weg des Christen ist die Einübung und Vertiefung, das geistliche Wachstum mit dem Ziel der Heiligkeit, nicht das Streben nach Macht oder ein blinder Leistungseifer. Der gläubige Mensch wächst heran, geht aufrecht durch das Leben und lernt zu knien, demütig zu sein und anzubeten. Wir bezeugen heute alle neu, wie der Ungeist der Verwirrung in die Kirche einzieht, törichte Gestaltungsabsichten um sich greifen und ein dämonisches Machtbewusstsein Kleriker wie Weltchristen antreibt, sich von Gott abzuwenden und ihre eigenen Pläne umzusetzen. Wie sehr könnte heute Maria neu zu einem Vorbild im Glauben werden, zur Fürsprecherin in einer Zeit der geistlichen Dürre und Not. Hellsichtig deutet Johannes Paul II. die Dimensionen der Gnade: „Zugleich aber weist die Fülle der Gnade auf das gesamte übernatürliche Gnadengeschenk hin, das Maria besitzt, weil sie zur Mutter Christi erwählt und bestimmt worden ist. Wenn diese Erwählung grundlegend ist für die Verwirklichung der Heilspläne Gottes gegenüber der Menschheit, wenn die Erwählung in Christus von Ewigkeit her und die Berufung zur Würde der Sohnschaft sich auf alle Menschen beziehen, so ist die Erwählung Marias völlig einzigartig und einmalig. Hieraus folgt dann auch die Einzigartigkeit ihrer Stellung im Geheimnis Christi.“ Es geht um die „Heilspläne Gottes“, nicht um unsere eigenen Absichten. Wenn wir an den Schöpfungsbericht denken, der in der Liturgie der Osternacht verkündet wird, so wird uns auch gewahr, dass Adam und Eva sich von der Schlange verführen ließen, betört von weltlichen Gelüsten einem widergöttlichen Begehren erlagen – ein Entscheid wider Gottes Weisungen. Die Freiheit des Menschen, sich bewusst von Gott abzuwenden, könnte uns heute noch schaudern lassen. Doch fürchten wir die Sünde? Es ist nur ein ganz kleiner Schritt. Die Macht des Bösen besteht fort. Die Versuchungen sind groß in einer Welt, die auf die Autonomie und Emanzipation des Menschen sich ausgerichtet hat – und, wieder einmal, die Kirche ganz neu erfinden will. Auf dem Weg Marias finden wir zu Gott. Sie zeigt uns ihren Sohn: „Im Heilsplan der Heiligsten Dreifaltigkeit stellt das Geheimnis der Menschwerdung die überreiche Erfüllung der Verheißung dar, die Gott den Menschen nach der Ursünde gegeben hatte, nach jener ersten Sünde, deren Folgen auf der gesamten Geschichte des Menschen auf Erden lasten (vgl. Gen 3, 15). So kommt ein Sohn zur Welt, der »Nachwuchs« einer Frau, der das Übel der Sünde an der Wurzel selbst besiegen wird: »Er trifft (die Schlange) am Kopf«. Wie aus den Worten des Protoevangeliums hervorgeht, wird der Sohn der Frau erst nach einem harten Kampf siegen, der die ganze Geschichte des Menschen durchziehen muß. Die »Feindschaft«, zu Anfang angekündigt, wird im Buch der Offenbarung, dem Buch der letzten Dinge der Kirche und der Welt, bestätigt: Hier begegnet uns erneut das Zeichen einer »Frau«, diesmal »mit der Sonne bekleidet« (Offb 12, 1). Maria, Mutter des menschgewordenen ewigen Wortes, wird in die Mitte jener Feindschaft gestellt, jenes Kampfes, der die Geschichte der Menschheit auf Erden und auch die Heilsgeschichte selbst begleitet. An diesem Ort trägt sie, die zu den »Demütigen und Armen des Herrn« gehört, wie kein anderer unter den Menschen jene »herrliche Gnade« in sich, die der Vater »uns in seinem geliebten Sohn geschenkt hat«, und diese Gnade bestimmt die außergewöhnliche Größe und Schönheit ihres ganzen menschlichen Seins. Maria bleibt so vor Gott und auch vor der ganzen Menschheit gleichsam das bleibende und unzerstörbare Zeichen jener Erwählung durch Gott, von der der Paulusbrief spricht: »In ihm (Christus) hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, … dazu bestimmt, seine Söhne zu werden« (Eph 1, 4. 5). Diese Erwählung ist stärker als jede Erfahrung des Bösen und der Sünde, all jener »Feindschaft«, von der die Geschichte des Menschen geprägt ist. In dieser Geschichte bleibt Maria ein Zeichen sicherer Hoffnung.“ So empfiehlt uns der heilige Papst, nicht zeitgeistlichen Erscheinungen zu folgen, sondern uns der Gottesmutter Maria, dem „Zeichen sicherer Hoffnung“, ganz anzuvertrauen, ihrem Schutz und ihrer Fürsprache. Quelle: CNA Deutsch, 3. April, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Sünde, Kreuz und Opfer

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 9 Papst St. Johannes Paul II. mit dem Allerheiligsten Altarsakrament. Foto: Vatican Media / CNA Deutsch In der Enzyklika „Dominum et vivificantem“ hat der heilige Johannes Paul II. daran erinnert, dass Gott sich „in der Schöpfung als Allmacht offenbart, die Liebe ist“. Der Mensch sei berufen, an der Wahrheit und Liebe teilzuhaben. Doch er habe sich unter dem Einfluss des Bösen davon gelöst, zwar nicht nach dem „Maß der Sünde Satans“, das der Mensch nicht erreichen könne, aber durch die „Bosheit des Ungehorsams“. Zum Glauben an die Autonomie des Menschen bekennen sich heute sogar viele Theologen, so als ob die Unabhängigkeit der Person größer, wichtiger und bedeutender sei als die kindliche Liebe des Geschöpfs zu seinem Schöpfer. Wir Katholiken glauben aber nicht an die Emanzipation des Menschen von Gott und seiner Kirche, sondern an den Gott, der die Liebe ist, und an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Darum schreibt Johannes Paul II.: „Aber auch dieser Ungehorsam bedeutet immer, Gott den Rücken zu kehren, in gewissem Sinn ein Sichverschließen der menschlichen Freiheit ihm gegenüber. Er bedeutet aber auch eine gewisse Öffnung dieser Freiheit – des Gewissens und des menschlichen Willens – auf den hin, der der »Vater der Lüge« ist. Dieser Akt bewußter Entscheidung ist nicht bloß »Ungehorsam«, sondern bringt auch eine gewisse Zustimmung zu jener Motivation mit sich, die in der ersten Anstiftung zur Sünde enthalten ist und in der ganzen Geschichte des Menschen auf Erden ständig erneuert wird. … Wir befinden uns hier mitten im Zentrum dessen, was man das »Gegen-Wort«, das heißt die »Gegen-Wahrheit«, nennen könnte. Die Wahrheit des Menschen wird in der Tat verfälscht: wer der Mensch ist und welches die unüberschreitbaren Grenzen seines Seins und seiner Freiheit sind. Diese »Gegen-Wahrheit« ist möglich, weil gleichzeitig die Wahrheit darüber, wer Gott ist, vollständig verfälscht wird. Gott, der Schöpfer, wird im Gewissen des Geschöpfes verdächtigt, ja sogar angeklagt.“ Damit beschreibt Johannes Paul II. auch eine Signatur unserer Zeit. Bisweilen wird sogar bis in den Raum der Kirche hinein die Wahrheit geleugnet. Sie wird auf eine Meinung hin reduziert, die in Diskussionen vielleicht noch berücksichtigt, vor allem aber kritisiert wird. Hellsichtig weist der heilige Papst darauf hin, dass die Wahrheit über Gott in trügerischer und böser Absicht verhüllt wird. Betrieben werde, „Gott als Feind seines eigenen Geschöpfes hinzustellen und vor allem als Feind des Menschen, als Quelle von Gefahr und Bedrohung für den Menschen“: „Auf diese Weise wird von Satan in die Seele des Menschen der Keim des Widerstandes gegen den eingepflanzt, der als Feind des Menschen »von Anbeginn« betrachtet werden soll – und nicht als Vater. Der Mensch wird herausgefordert, der Gegner Gottes zu werden!“ Menschen sähen Gott dann als Begrenzung ihrer Wünsche an, als Gegenmacht, die es zu abwehren und zu bekämpfen gelte. Gott werde nicht als „Fülle des Guten“ gesehen. Der Begriff und die Wirklichkeit der Sünde werden auch heute oft geleugnet. Doch auch wer von der Abwendung von Gott und vom Nächsten nichts mehr wissen will, wendet sich ab. Deutlich bemerkt Johannes Paul II.: „Der Sünde überführen bedeutet, das Böse, das in ihr ist, aufzuzeigen. Das entspricht dem Aufdecken der geheimen Macht des Bösen. Es ist nicht möglich, das Böse der Sünde in seiner ganzen schmerzhaften Wirklichkeit zu erfassen, ohne »die Tiefen Gottes zu ergründen«. Seit dem Anfang zeigt sich das dunkle Geheimnis der Sünde in der Welt vor dem Hintergrund seiner Beziehung zum Schöpfer der menschlichen Freiheit. Es zeigt sich als Willensakt des Menschengeschöpfes gegen den Willen Gottes: gegen den Heilswillen Gottes; ja, sogar als Widerspruch zur Wahrheit, als Folge der Lüge, die bereits endgültig »gerichtet ist«: der Lüge, die die schöpferische und heilbringende göttliche Liebe selbst ständig anklagt und verdächtigt. Der Mensch ist dem »Vater der Lüge« gefolgt, indem er sich dem Vater des Lebens und dem Geist der Wahrheit widersetzt hat. … Die Kirche, von der Offenbarung inspiriert, glaubt und bekennt, daß die Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Was entspricht im unergründbaren Innern des Vaters, des Wortes und des Heiligen Geistes dieser »Beleidigung«, dieser Zurückweisung des Geistes, der Liebe und Geschenk ist?“ Heute – mehr als 35 Jahre nach der Publikation der Enzyklika – hören wir selten noch in der Verkündigung, dass die Sünde eine „Beleidigung Gottes“ ist. Wie ein Kirchenlehrer der Moderne und Postmoderne ermahnt hier der heilige Papst die Gläubigen seiner Zeit und uns heute, die Sünde ernst zu nehmen. In wenigen Tagen werden wir im Triduum Sacrum von Christus hören, der die Sünde der Welt auf sich und hinweggenommen hat: „So verwandelt der Heilige Geist das »der Sünde überführen« gegenüber der Schöpfung, »die der Vergänglichkeit unterworfen ist«, und vor allem in der Tiefe des menschlichen Gewissens in eine Offenbarung darüber, wie die Sünde durch das Opfer des Gotteslammes besiegt wird, des Messias, der »bis in den Tod« der gehorsame Knecht geworden ist und die Erlösung der Welt bewirkt, indem er den Ungehorsam des Menschen wiedergutmacht. Das ist die Weise, wie der Geist der Wahrheit, der Beistand, »der Sünde überführt«.“ Das Kreuzesopfer Christi möge uns neu gegenwärtig und bewusst werden, sodass am Karfreitag, wenn wir das Kreuz verehren, immer mehr uns bewusst wird, was der heilige Johannes Paul II. uns lehrt: „In der Tiefe des Geheimnisses des Kreuzes ist die Liebe am Werk, die den Menschen erneut zur Teilnahme am Leben bringt, das in Gott selbst ist.“ Quelle: CNA Deutsch, 27. März, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Botschaft Urbi et Orbi zu Weihnachten 2003 r.

1. Descendit de caelis Salvator mundi. Gaudeamus! Der Retter der Welt ist vom Himmel herabgestiegen. Freuet euch! Diese von tiefer Freude durchdrungene Botschaft erklang in der Nacht von Bethlehem. In unverminderter Freude wiederholt sie die Kirche am heutigen Tag: Der Heiland ist uns geboren! Zusammen mit einem starken Verlangen nach Intimität und Frieden erfüllt eine Woge der Zärtlichkeit und der Hoffnung unser Gemüt. In der Krippe betrachten wir den, der sich der göttlichen Glorie entkleidet hat, um sich arm zu machen, gedrängt von der Liebe zum Menschen. Der Weihnachtsbaum neben der Krippe erinnert uns mit dem Funkeln seiner Lichter daran, daß mit der Geburt Jesu der Baum des Lebens in der Wüste der Menschheit erblüht. Die Krippe und der Christbaum: kostbare Symbole die in der Zeit den wahren Sinn von Weihnachten vermitteln. 2.   Im Himmel erklingt die Botschaft der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“(Lk 2, 11). Welch ein Staunen! Durch seine Geburt in Bethlehem ist der ewige Sohn Gottes in die Geschichte eines jeden Menschen eingetreten, der auf dem Angesicht dieser Erde lebt. Er ist schon in der Welt zugegen als einziger Retter der Menschheit. Deshalb flehen wir zu ihm: Salvator mundi, salva nos! 3.   Erlöse uns von den großen Übeln, welche die Menschheit zu Beginn des Dritten Jahrtausends zerreißen! Befreie uns von Kriegen und bewaffneten Konflikten, die ganze Regionen des Globus verwüsten. Befreie uns von der Plage des Terrorismus und vieler anderer Formen der Gewalt, die schwache und wehrlose Menschen peinigen. Nimm von uns alle Mutlosigkeit beim Beschreiten von Wegen des Friedens, die gewiß schwierig, aber möglich und daher auch geboten sind. Solche Wege sind immer überall dringend erforderlich, vor allem in dem Land, in dem du, o Friedensfürst, geboren warst. 4.   Und du Maria, Jungfrau der Erwartung und der Erfüllung, die du das Weihnachtsgeheimnis behütest, mache uns fähig, im Kind, das du in deinen Armen hältst, den angekündigten Erlöser zu erkennen, der allen die Hoffnung und den Frieden bringt. Gemeinsam mit dir beten wir ihn an und bekennen mit Vertrauen: Wir brauchen dich, Erlöser des Menschen, der du die Erwartungen und das Sehnen unseres Herzens kennst. Komm und bleibe bei uns, Herr! Die Freude über deine Geburt gelange bis an die entferntesten Grenzen des Universums! Weihnachten, 25. Dezember 2003 Papst Johannes Paul II.   Quelle: vatican.va

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Hl. Johannes Paul II. – Der Papst der Familie

Bei der Heiligsprechungsmesse für die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. sprach Papst Franziskus von letzterem mit den Worten: „In seinem eigenen Dienst am Volk Gottes war Johannes Paul II. der Papst der Familie. Wir sind jetzt dabei, mit den Familien zur Synode über die Familie zu reisen. Es ist eine Reise, die Johannes Paul II. von seinem Platz im Himmel aus leitet und unterstützt.“ Karol Wojtyla, in jungen Jahren von Leid und Verlust in seiner eigenen Familie geprägt, wurde Priester, Bischof von Krakau, Bischof von Rom, ein Held und Heiliger für die Ewigkeit. Während seines gesamten pastoralen Dienstes lehrte er die Welt über die Würde, Schönheit und Heiligkeit der Ehe und des Familienlebens. Johannes Paul II. ist einer der beiden Schutzheiligen des Weltfamilientreffens 2015 in Philadelphia. Das Weltfamilientreffen ist das weltweit größte katholische Familientreffen. Jedes hat ein Thema, das die Veranstaltung anregt und belebt und gleichzeitig unserem Verständnis von Familien eine große Bedeutung verleiht. Das Thema des Weltfamilientreffens – Philadelphia 2015 lautet „Liebe ist unsere Mission: Die Familie am Leben“ und betont den Einfluss der Liebe und des Lebens von Familien auf unsere Gesellschaft. https://www.worldmeeting2015.org https://slmedia.org/

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Alma Redemptoris Mater

Am Ende des täglichen Stundengebetes richtet die Kirche neben anderen diesen Gebetsruf an Maria: »Alma Redemptoris Mater…«   »Erhabne Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels und Stern des Meeres, komm, hilf deinem Volk, das sich müht, vom Falle aufzustehn. Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer«. »Der Natur zum Staunen« (»natura mirante«)! Diese Worte der Antiphon geben jenes gläubige Staunen wieder, das das Geheimnis der göttlichen Mutterschaft Marias begleitet. Es begleitet es in gewissem Sinne im Herzen der gesamten Schöpfung und unmittelbar im Herzen des ganzen Gottesvolkes, im Herzen der Kirche. Wie wunderbar weit ist Gott, der Schöpfer und Herr aller Dinge, in der »Offenbarung seiner selbst« an den Menschen gegangen 147! Wie deutlich hat er alle Räume jener unendlichen »Distanz« überwunden, die den Schöpfer vom Geschöpf trennt! Wenn er schon in sich selbst unaussprechlich und unerforschlich bleibt, so ist er noch unaussprechlicher und unerforschlicher in der Wirklichkeit der Inkarnation des göttlichen Wortes, das durch die Jungfrau von Nazaret Mensch geworden ist. Wenn er von Ewigkeit her den Menschen zur »Teilhabe an der göttlichen Natur« (vgl. 2 Petr 1, 4) berufen hat, kann man sagen, daß er die »Vergöttlichung« des Menschen zugleich seiner geschichtlichen Lage entsprechend vorgesehen hat, so daß er auch nach dem Sündenfall bereit ist, den ewigen Plan seiner Liebe durch die »Vermenschlichung« des Sohnes, der ihm wesensgleich ist, um einen hohen Preis wiederherzustellen. Die ganze Schöpfung und noch unmittelbarer der Mensch müssen vom Staunen über dieses Geschenk getroffen bleiben, das ihnen im Heiligen Geist zuteil geworden ist: »Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab« ( Joh 3, 16 ). Im Zentrum dieses Geheimnisses, im Mittelpunkt dieses gläubigen Staunens steht Maria. Die erhabne Mutter des Erlösers, sie hat es als erste erfahren: »Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer« (»Tu quae genuisti, natura mirante, tuum sanctum Genitorem«)! 52. In den Worten dieser liturgischen Antiphon kommt auch die Wahrheit von der »großen Wende« zum Ausdruck, die dem Menschen vom Geheimnis der Inkarnation bestimmt ist. Diese Wende gehört zu seiner ganzen Geschichte, von jenem Anfang an, der uns in den ersten Kapiteln der Genesis offenbart ist, bis zum letzten Ende, im Hinblick auf das Weltenende nämlich, von dem uns Jesus »weder den Tag noch die Stunde« (vgl. Mt 25, 13) offenbart hat. Es ist eine unaufhörliche und ständige Wende vom Fallen zum Wiederaufstehen, vom Menschen der Sünde zum Menschen der Gnade und Gerechtigkeit. Die Liturgie, vor allem im Advent, zielt auf den entscheidenden Punkt dieser Wende und erfaßt dabei ihr ständiges »heute und jetzt«, wenn sie ausruft: »Komm, hilf deinem Volk, das sich müht, vom Falle aufzustehn« (»Succurre cadenti surgere qui curat populo«). Diese Worte beziehen sich auf jeden Menschen, auf die Gemeinschaften, Nationen und Völker, auf die Generationen und Epochen der menschlichen Geschichte, auf unsere Epoche, auf diese letzten Jahre des Jahrtausends, das sich dem Ende zuneigt: »Komm, hilf deinem Volk, das fällt« (»Succurre cadenti . .. populo«)! Das ist die Bitte an Maria, die »erhabne Mutter des Erlösers« die Bitte an Christus, der durch Maria in die Geschichte der Menschheit eingetreten ist. Jahr für Jahr steigt diese Antiphon zu Maria auf und erinnert an den Augenblick, da sich diese wesentliche geschichtliche Wende vollzogen hat, die in einem gewissen Sinne unumkehrbar fortdauert: die Wende vom »Fallen« zum »Auferstehen«. Die Menschheit hat wunderbare Entdeckungen gemacht und aufsehenerregende Ergebnisse im Bereich von Wissenschaft und Technik erzielt, sie hat große Taten auf dem Weg des Fortschritts und der Zivilisation vollbracht, und in jüngster Zeit, so könnte man sagen, ist es ihr sogar gelungen, den Lauf der Geschichte zu beschleunigen; aber die grundlegende Wende, jene, die man »originell« nennen kann, begleitet den Weg des Menschen ständig, und durch alle geschichtlichen Ereignisse hindurch begleitet sie alle und jeden. Es ist die Wende vom »Fallen« zum »Auferstehen«, vom Tod zum Leben. Sie ist auch eine unaufhörliche Herausforderung an das menschliche Gewissen, eine Herausforderung an das ganze geschichtliche Bewußtsein des Menschen: die Herausforderung, den Weg des »Nicht-Fallens« auf immer zugleich alte und neue Weise zu gehen und den Weg des »Aufstehens« zu beschreiten, wenn man »gefallen« ist. Während sich die Kirche zusammen mit der ganzen Menschheit dem Übergang zwischen den zwei Jahrtausenden nähert, nimmt sie von ihrer Seite her mit der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen und in Verbindung mit jedem Menschen guten Willens die große Herausforderung an, die in diesen Worten der marianischen Antiphon vom »Volk, das sich müht, vom Falle aufzustehn«, enthalten ist, und wendet sich an den Erlöser und seine Mutter zugleich mit der Bitte: »Steh uns bei!«. Sie erblickt ja – und dieses Gebet bestätigt es – die selige Gottesmutter im erlösenden Geheimnis Christi und in ihrem eigenen Geheimnis; sie schaut sie tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt, in der ewigen Berufung des Menschen, nach dem Plan, den Gott in seiner Vorsehung von Ewigkeit her für ihn vorherbestimmt hat; sie erblickt sie mütterlich und teilnahmsvoll anwesend bei den vielfältigen und schwierigen Problemen, die heute das Leben der einzelnen, der Familien und der Völker begleiten; sie sieht in ihr die Helferin des christlichen Volkes beim unaufhörlichen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, damit es nicht »falle«, oder, wenn gefallen, wieder «aufstehe«. Ich wünsche von Herzen, daß auch die Gedanken der vorliegenden Enzyklika der Erneuerung dieser Sicht in den Herzen aller Gläubigen dienen! Als Bischof von Rom sende ich allen, an die sich diese Erwägungen richten, den Friedenskuß mit Gruß und Segen in unserem Herrn Jesus Christus. Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung des Jahres 1987, dem neunten Jahr meines Pontifikates. Johannes Paul II., Papst Enzyklika  Redemtoris Matter  

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Gottes Liebe und ihr Geheimnis

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 4 Der heilige Papst Johannes Paul II.; Foto: Wikimedia Am 30. November 1980 veröffentlicht Papst Johannes Paul II. seine zweite Enzyklika – „Dives in misericordia„. Von Aspekten und Dimensionen der göttlichen Barmherzigkeit schreibt er. Mensch und Welt bräuchten Gottes Erbarmen so sehr, so der Heilige Vater. Heute ist das nicht anders als vor mehr als 40 Jahren. So scheint diese Enzyklika nicht zeitlich eingehegt zu sein, mehr noch: Einmal mehr entdecken wir, wie sehr der große Heilige den Blick weitet auf das Große, auf das Gute hin, wie klar, lichtvoll und ermutigend er von Gottes Liebe spricht. Der heilige Johannes Paul II. hofft, dass die Enzyklika Gottes Barmherzigkeit neu bewusst machen würde, ja dass die Sehnsucht nach dem liebenden Vater zu einem „inständigen Gebet der Kirche“ würde. In Jesus Christus offenbart sich die Barmherzigkeit des Vaters, in seinem „Lebensstil“ wie in seinen „Taten“, als „wirkende Liebe …, die sich dem Menschen zuwendet und alles umfängt, was sein Menschsein ausmacht“.  In der Kraft dieser Liebe begegnet Jesus den Leidenden: „Der messianischen Botschaft über das Erbarmen eignet somit eine besondere göttlich – menschliche Dimension. Christus wird in Erfüllung der messianischen Prophetien die Inkarnation jener Liebe, welche mit besonderer Eindringlichkeit in ihrer Zuwendung zu den Leidenden, den Unglücklichen und den Sündern sichtbar wird; er macht so den Vater, den Gott »voll Erbarmen«, gegenwärtig und in größerer Fülle offenbar. Dabei wird er für die Menschen zugleich das Modell der erbarmenden Liebe zum Nächsten und verkündet so durch die Taten noch mehr als durch seine Worte den Aufruf zum Erbarmen, der eines der wesentlichen Elemente des evangelischen Ethos ist. Es geht hier nicht nur um die Befolgung eines Gebotes oder einer sittlichen Norm, sondern um die Erfüllung einer Grundvoraussetzung dafür, daß Gott dem Menschen sein Erbarmen erweisen kann: »Die Barmherzigen … werden Erbarmen finden«.“ Barmherzigkeit ist nicht zu verwechseln mit einer weltlichen Milde, die letztlich nicht Ausdruck göttlicher Liebe, sondern einer lauen Gleichgültigkeit wäre. Wer alles versteht und verzeiht, mag sogar die Botschaft der Erlösung zurechtschneiden und preisgeben – nämlich dann, wenn Menschen mitten in der Kirche beginnen, den ihnen anvertrauten Schatz neu zu modellieren. Die Versuchung der Apostasie, gerade auch in Fragen der Moral, hat es zu allen Zeiten der Kirche gegeben – auch wir können das heute wieder bezeugen. Die Barmherzigkeit zeigt Gottes Güte, in ihrer Hoheit wie in ihrer liebevollen Fürsorge, und damit ist sie allen menschlichen Versuchen entgegengesetzt, die Lehre der Kirche zu verbilligen, säkular neu zu erfinden und in eine Apologie der Beliebigkeit umzuwandeln. Der heilige Johannes Paul II. greift auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn zurück, um das göttliche Erbarmen zu erläutern: „Nachdem der verlorene Sohn das vom Vater erhaltene Vermögen aufgebraucht hat und ins väterliche Haus zurückgekehrt ist, kann er nur beanspruchen, sich seinen Lebensunterhalt als Tagelöhner verdienen zu dürfen und eventuell nach und nach zu einem gewissen materiellen Besitz zu kommen, der in seiner Größe aber vielleicht nie mehr an den heranreichen wird, den er verschleudert hat. Mehr kann er nicht beanspruchen in der Ordnung der Gerechtigkeit, umso weniger, als er nicht nur den ihm zustehenden Vermögensanteil vergeudet, sondern durch sein ganzes Verhalten auch den Vater verletzt und beleidigt hat.“ Der Vater leidet unter dem Verhalten des Sohnes. Doch wie verhält sich der Vater? Es geht ihm nicht um sich, nicht um den Schmerz, den er selbst erlitten hat, sondern um die Beziehung zu dem Sohn, eine Beziehung, die „durch keinerlei Verhalten gestört oder getroffen werden“ könne. Der verlorene Sohn weiß das. Er kann nichts fordern, nichts erwarten. Seine Rückkehr heißt auch: Darf ich trotz all meiner Verfehlungen, meiner Sünden dein Sohn sein und bleiben? Was der heimgekehrte, einst verlorene Sohn nun erleben darf, ist unbeschreiblich schön und tiefgründig erzählt. Der barmherzige Vater ist dem geliebten Sohn treu. Von dieser Treue spricht Johannes Paul II.: „Der Vater des verlorenen Sohnes ist seiner Vaterschaft treu, ist der Liebe treu, mit der er seit jeher seinen Sohn beschenkt hat. Diese Treue kommt im Gleichnis nicht nur in der sofortigen Bereitschaft zum Ausdruck, mit der er den heimkehrenden Sohn, der das Vermögen verschleudert hat, aufnimmt; sie kommt noch mehr in der überströmenden, großzügigen Freude über den heimgekehrten Verschwender zum Ausdruck, deren Ausmaß sogar den Widerspruch und Neid des älteren Bruders hervorruft, der sich nie vom Vater abgewendet und sein Haus nicht verlassen hatte.“ Er ist auch großzügig, hat Mitleid mit ihm und die Zuneigung zu ihm nicht verloren: „Mag dieser auch das Vermögen verschleudert haben, sein Mensch-Sein ist heil geblieben. Ja, es wurde sozusagen wiedergefunden. Das bezeugen die Worte des Vaters an den älteren Sohn: »Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern, denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden«.“ Von außen betrachtet verstehen wir, dass der Bruder empört ist – er, der nie fortgelaufen ist, beurteilt rational und neidisch die festliche Wiederkehr. Die Freude des Vaters ist eine innere Form der Liebe: „Solche Liebe ist fähig, sich über jeden verlorenen Sohn zu beugen, über jedes menschliche Elend, vor allem über das moralische Elend: die Sünde. Wenn das geschieht, fühlt sich der, dem das Erbarmen zuteil wird, nicht gedemütigt, sondern gleichsam wiedergefunden und »aufgewertet«. Der Vater läßt ihn in erster Linie spüren, wie groß seine Freude ist, daß er »wiedergefunden wurde« und »wieder lebt«. Diese Freude weist auf ein unverletztes Gut hin: ein Sohn hört nie auf, in Wahrheit Sohn seines Vaters zu sein, selbst dann nicht, wenn er sich von ihm trennt; sie weist darüber hinaus auf ein wiedergefundenes Gut hin: im Fall des verlorenen Sohnes die Rückkehr zur Wahrheit über sich selbst.“ Die Liebe lässt sich nicht äußerlich bestimmen oder verrechnen. Die „Beziehung des Erbarmens“ zwischen Vater und Sohn „beruht auf der gemeinsamen Erfahrung jenes Gutes, das der Mensch ist, auf der gemeinsamen Erfahrung der ihm eigenen Würde“: „Diese gemeinsame Erfahrung führt dazu, daß der verlorene Sohn sich und seine Taten in der vollen Wahrheit zu sehen beginnt (dieses Sehen in Wahrheit ist echte Demut)

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Die „Königswürde“ des Christen

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 3 Christus, der wahre König, mit musizierenden Engeln, gemalt von Hans Memling um 1480; Foto: Wikimedia (CC0) In selbstbezüglichen Debatten in der Kirche – nicht nur in Deutschland – werden Macht-, Gestaltungs- und Reformansprüche formuliert und erhoben, was nicht nur narkotisch ist, sondern auch dem Sendungsauftrag zuwiderläuft. Stärker als in der Nachkonzilszeit vernehmen Gläubige und Suchende unverständlicherweise bisweilen auch aus bischöflichem Mund Aussagen, die mit dem Glauben und der Lehre der Kirche nicht übereinstimmen. Selten hören wir Worte darüber, wozu der Christ in der Welt von heute berufen ist – zu einer okkulten Pauschalkritik an der Kirche und zu einem emotionalen Lamento ganz sicher nicht. Ein wichtiger Abschnitt der Enzyklika „Redemptor hominis“ ist der „Teilnahme an der königlichen Sendung Christi“ gewidmet. Johannes Paul II. spricht von der „besonderen Würde unserer Berufung“, die „»Königswürde«“ genannt werden könnte: „Diese Würde drückt sich aus in der Bereitschaft zum Dienst nach dem Beispiel Christi, der »nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen«. Wenn man also im Licht dieser Haltung Christi nur wirklich »herrschen« kann, indem man »dient«, verlangt »das Dienen« gleichzeitig eine solche geistige Reife, die man geradezu als »herrschen« bezeichnen muß. Um würdig und wirksam den anderen dienen zu können, muß man sich selbst zu beherrschen vermögen, muß man jene Tugenden besitzen, die diese Beherrschung ermöglichen.“ Der Papst macht sogleich deutlich, dass die „Teilnahme an der königlichen Sendung Christi“ nicht gelöst werden kann von „jedem Bereich der christlichen und zugleich menschlichen Moral“. Gegen den Trend der Zeit – heute noch dominanter als 1979 – bekräftigt er, dass das Bild des Volkes Gottes nicht allein von „soziologischen Voraussetzungen abgeleitet“  werden dürfe: „Die Kirche als menschliche Gesellschaft kann natürlich auch nach solchen Kriterien untersucht und bestimmt werden, deren sich die Wissenschaften jeder beliebigen menschlichen Gesellschaft gegenüber bedienen. Doch reichen diese Kriterien nicht aus. Für die Gemeinschaft des Volkes Gottes als ganze und für jedes ihrer Glieder geht es aber nicht nur um eine besondere »soziale Zugehörigkeit«; hier handelt es sich um eine besondere »Berufung«, die für jeden einzelnen und für alle zusammen wesentlich ist. Die Kirche ist nämlich als Volk Gottes … auch der »Mystische Leib Christi«.“ Johannes Paul II. gesteht „Mängel“ in der Gemeinschaft der Kirche in ihrer weltlichen Gestalt zu, betont aber zugleich das Merkmal, das von soziologischen Erhebungen nie erfasst werden kann. Die Glieder der Kirche, Kleriker wie Weltchristen, seien gerade dadurch Gemeinschaft, dass alle mit Christus verbunden seien, „wenigstens dadurch, daß sie in ihrer Seele das unauslöschliche Merkmal eines Christen tragen“. Der heilige Papst würdigt nachkonziliare Initiativen, auch „synodaler“ Art“. Doch „jede Initiative“ könne einzig „der echten Erneuerung der Kirche“ dienen, wenn sie dazu „beiträgt, das wahre Licht Christi zu verbreiten“. Dass die unverbrüchliche Treue zur Lehre der Kirche dazugehört, ist selbstverständlich. Die „Königswürde“ des Christen ist untrennbar mit Selbstbeherrschung und Dienst verknüpft. Der heilige Johannes Paul II. bekräftigt den Wert der „Treue zur eigenen Berufung“. Das gilt für den Weltchristen wie für den Kleriker. Jeder sei berufen, an seinem Platz in der Welt den „»königlichen Dienst«“ zu tun, „dessen Beispiel und schönstes Modell uns von Jesus Christus gegeben worden ist“. Es ist Seine Kirche, in der wir zum Dienst bestellt sind, nicht unsere Kirche, die wir neu gestalten oder gar neu erfinden sollen: „Seine Kirche, die wir alle zusammen bilden, ist »für die Menschen« da in dem Sinne, daß wir, wenn wir uns auf Christi Beispiel stützen und mit der uns von ihm erworbenen Gnade mitarbeiten, jene »Herrschaft« erreichen und so in jedem von uns unser Menschsein voll entfalten können.“ Der Mensch habe das „Geschenk der Freiheit“ erhalten. Doch wie nutzt er diese Freiheit? Heute scheint in einigen Bereichen der Fundamentaltheologie ein abweichendes Verständnis zu bestehen. Wir Katholiken glauben aber nicht an die unbedingte Autonomie des Menschen, sondern an Gott und die Kirche. Wer den Weg in eine unklare Emanzipation des Ichs und eine vermeintliche Selbstgestaltung des Lebens wählt – und so lebt, wie es ihm beliebt, der begibt sich in die Knechtschaft der Sünde: „In unserer Zeit ist man mitunter der irrtümlichen Meinung, daß die Freiheit Selbstzweck sei, daß jeder Mensch dann frei sei, wenn er die Freiheit gebraucht, wie er will, und daß man im Leben der einzelnen und der Gesellschaft nach einer solchen Freiheit streben solle. Die Freiheit ist jedoch nur dann ein großes Geschenk, wenn wir es verstehen, sie bewußt für all das einzusetzen, was das wahre Gute ist. Christus lehrt uns, daß der beste Gebrauch der Freiheit die Liebe ist, die sich in der Hingabe und im Dienst verwirklicht.“ Die Kirche ist also nicht dazu bestimmt, ein Verein der unverbindlichen Nettigkeit zu sein, säkular sympathisch, substanzlos und überflüssig, sondern die Kirche des Herrn, also die Stiftung Jesu Christi. Die Kirche kennt darum auch nicht 1001 Wahrheiten, sondern nur die eine Wahrheit, die Christus selbst ist. Die Kirche – und damit Sie und ich – soll nur die Frohe Botschaft verkünden. Johannes Paul II. widerspricht jeder Apologie des Existenzialismus. Es geht ihm um die Verteidigung der Wahrheit über die Freiheit des Menschen. Darum schreibt er: „Die volle Wahrheit über die menschliche Freiheit ist im Geheimnis der Erlösung tief verwurzelt. Die Kirche dient wahrhaft der Menschheit, wenn sie diese Wahrheit mit unermüdlicher Aufmerksamkeit, starker Liebe und verantwortungsbewußtem Einsatz schützt und sie innerhalb der gesamten eigenen Gemeinschaft durch die Treue zur Berufung eines jeden Christen weitervermittelt und im Leben konkretisiert.“ Quelle: CNA Deutsch, 13. Februar, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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„Umfangen vom Geheimnis der Erlösung“

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Teil 1 Der heilige Papst Johannes Paul II., Foto: Vatican Media Am 4. März 1979 veröffentlicht Johannes Paul II. die erste Enzyklika seines Pontifikats – „Redemptor hominis“. Eingewoben in das Lehrschreiben sind Erinnerungen an geistliche Wegmarken und an den Tag, als er zum Stellvertreter Christi bestellt wurde. Nach dem Tod des hl. Pauls VI. war der Mailänder Kardinalerzbischof Albino Luciani zum Pontifex gewählt worden. Nur 33 Tage später erlag er seinem Herzleiden. Mit Staunen und Hoffnung begrüßten die Gläubigen sodann Johannes Paul II., der im Alter von 58 Jahren als Diener der Diener Christi auf die mittlere Loggia des Petersdoms trat. Die Vorbehalte ihm gegenüber, besonders in den kommunistischen Ländern, waren sehr groß und, wie sich mit den Jahren zeigen sollte, begründet. Kompromisslos trat Johannes Paul II. den Formen totaler Herrschaft entgegen, weil er ganz auf die Wahrheit Jesu Christi vertraute. Damit widersprach er allen Spielarten von Ideologien. Auch den Kapitalismus kritisierte er energisch. Zu Anfang dieser Reihe soll die erste Enzyklika vorgestellt werden. Was lehrt uns „Redemptor hominis“ heute? Auf welche Weise können wir auf das Lehrschreiben des Papstes zugehen, um ihn besser zu verstehen und ein geistliches Band zu ihm zu knüpfen? Johannes Paul II. ruft die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils ins Gedächtnis. Er appelliert daran, den Auftrag der Kirche in der Welt nicht mit geschmeidiger Anpassung an modische Strömungen oder mit Verwaltungsreformen zu verwechseln. Die Mitte der Kirche ist Jesus Christus, darum ist die Kirche „umfangen vom Geheimnis der Erlösung“. Von Christus muss die Kirche künden, sonst verfehlt sie ihre Bestimmung: „Hier nun drängt sich, liebe Brüder, Söhne und Töchter, nur eine grundsätzliche und wesentliche Antwort auf, und zwar: die einzige Ausrichtung des Geistes, die einzige Zielsetzung des Intellektes, des Willens und des Herzens ist für uns dieses: hin zu Christus, dem Erlöser des Menschen, zu Christus, dem Erlöser der Welt.“ Johannes Paul II. ruft auf zur Besinnung auf Christus. Ihm ist wichtig, dass die Gläubigen ihre Kräfte sammeln, sich auf gewisse Weise mit allen Fasern des Daseins, mit Herz und Verstand, dem Erlöser zuwenden und die Botschaft durch ihr Zeugnis in der Welt verkünden. Wenn die Kirche nicht von Christus spricht, kreist sie nur um sich selbst. Das „Geheimnis der Erlösung“ sei das „Grundprinzip ihres Lebens und ihrer Sendung“ – nichts anderes. Klarsichtig weist Johannes Paul II. auf die Signaturen der Zeit hin und zeigt die Macht der Zerstörung auf, die vom technischen Fortschritt begünstigt wurde und zum Raubbau an der Natur geführt hat: „Es genügt an dieser Stelle, nur auf bestimmte Phänomene hinzuweisen wie die Gefahr der Umweltverschmutzung in Gegenden, wo eine schnelle Industrialisierung vonstatten geht, die bewaffneten Konflikte, die ausbrechen und sich andauernd wiederholen, oder die Aussicht auf eine mögliche Selbstzerstörung durch den Einsatz von Atomwaffen, der Wasserstoff- oder Neutronenbombe oder ähnlichem, die mangelnde Achtung vor dem ungeborenen Leben.“ Das ganze Pontifikat hindurch wird Johannes Paul II. Kriege ächten und für den Frieden werben. Angefeindet wird er werden in der westlichen Welt von allen, die seinen Einsatz für die ungeborenen Kinder als traditionalistisch und gestrig verhöhnen. Er wird nicht müde, die Abtreibung anzuprangern und sich für den Lebensschutz von der Empfängnis an einzusetzen. Auch die Bewahrung der Schöpfung nimmt Johannes Paul II. in den Blick, bewusst und aufmerksam. Umweltzerstörung ist eine Sünde. Der Mensch ist zum Hüter der Schöpfung bestellt. In der Moderne will er, so könnte man denken, Gott verdrängen. Er möchte Gott verkleinern oder leugnen und selbst allmächtig sein. Der Mensch glaubt an seine Autonomie und hält das Töten ungeborener Kinder im Namen der sogenannten Selbstbestimmung für gerechtfertigt. Mitleidlos kämpfen Menschen und Völker gegeneinander. Die Natur wird ausgebeutet. Der Mensch scheint seinen Ursprung vergessen zu haben. Er lebt, als ob er sich von Gott emanzipiert hätte oder ihm konsequent aus dem Weg gehen möchte. Johannes Paul II. bekräftigt darum energisch die Wahrheit des Glaubens und verkündet die Botschaft von Gottes Barmherzigkeit. Er wird nicht müde werden, dies eindringlich und kraftvoll zu wiederholen: „Die Liebe ist vor allem größer als die Sünde, als die Schwachheit und die Vergänglichkeit des Geschaffenen, stärker als der Tod; es ist eine Liebe, die stets bereit ist, aufzurichten und zu verzeihen, stets bereit, dem verlorenen Sohn entgegenzugehen und immer auf der Suche ist nach dem »Offenbarwerden der Söhne Gottes«, die zur künftigen Herrlichkeit berufen sind. Diese Offenbarung der Liebe wird auch Barmherzigkeit genannt; diese Offenbarung der Liebe und der Barmherzigkeit hat in der Geschichte nur eine Form und einen Namen: sie heißt Jesus Christus.“ In der ersten Enzyklika, die noch weiter betrachtet werden wird, spricht der Papst von Gottes Liebe, vom Geschenk der Barmherzigkeit, die Gestalt angenommen hat in Jesus Christus. Er ermuntert die Gläubigen am 4. März 1979 und auch uns heute, dass wir uns nicht in uns selbst verschließen, nicht unsere eigenen Pläne verfolgen und nicht uns auf weltliche Art verwirklichen sollen, sondern Christus, der an die Tür unseres Herzens klopft, einlassen sollen in unser Leben, sodass wir, von ihm erfüllt, zu seinen Zeugen werden. Johannes Paul II. spricht von Gottes Liebe, die größer ist, als wir uns vorstellen können. Es ist die Liebe des barmherzigen Vaters, der die verlorenen und verschollenen Töchter und Söhne nicht aufgibt, sondern ihnen mit sehnsüchtigem Herzen nachgeht – und wenn es sein muss auch bis in die tiefsten Finsternisse dieser Welt, ja sogar bis in den Abgrund der Hölle hinein. Gottes Frage an uns ist stets dieselbe: Liebst du mich? Quelle: CNA Deutsch, 30 January, 2021  Autor: Dr. Thorsten Paprotny

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Komm, Geist der Liebe und des Friedens!

Gebet des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II zum zweiten Jahr der Vorbereitung auf das Große Jubiläum des Jahres 2000     Heiliger Geist, du Gast, der die Herzen erfreut, laß uns den tiefen Sinn des Großen Jubiläums erkennen mach uns innerlich bereit, es im Glauben zu feiern, in der Hoffnung, die nicht trügt, in der Liebe, die keinen Lohn erwartet. Geist der Wahrheit, Gedächtnis und Prophetie der Kirche, der du die Tiefen Gottes ergründest, führe die Menschheit dahin, daß sie in Jesus von Nazaret den Herrn der Herrlichkeit, den Retter der Welt, die höchste Vollendung der Geschichte erkennt. Komm, Geist der Liebe und des Friedens! Schöpfergeist, verborgener Urheber des Reiches Gottes, lehre die Kirche kraft deiner heiligen Gaben, mutig die Schwelle des neuen Jahrtausends zu überschreiten, um den kommenden Generationen das Licht des rettenden Wortes zu bringen. Geist der Heiligkeit, göttlicher Atem, der das Weltall bewegt, komm und mach das Antlitz der Erde neu. Wecke in den Christen den Wunsch nach der vollen Einheit, damit sie in der Welt wirksames Zeichen und Instrument der engen Verbundenheit mit Gott und der Einheit des ganzen Menschengeschlechtes sind. Komm, Geist der Liebe und des Friedens! Geist der Gemeinschaft, Antrieb und Stütze die Kirche, mach, daß die Reichtümer der Charismen und Dienste zur Einheit des Leibes Christi beitragen; mach, daß die Laien, die Ordensleute und Priester gemeinsam an dem einen Reich Gottes mitbauen. Geist des Trostes, unversiegbare Quelle der Freude und des Friedens, wecke Solidarität mit den Notleidenden, schenke den Kranken den notwendigen Beistand, erfülle die Bedrückten mit Zuversicht und Hoffnung, stärke alle in ihrem Streben nach einer besseren Zukunft. Komm, Geist der Liebe und des Friedens! Geist der Weisheit, der du die Herzen und Sinne rührst, führe die Wissenschaft und Technik auf den Weg des Dienstes am Leben, an der Gerechtigkeit und am Frieden. Befruchte den Dialog mit den Anhängern anderer Religionen, mach, daß die vielfältigen Kulturen sich den Werten des Evangeliums öffnen. Geist des Lebens, durch den das Wort im Schoß der Jungfrau, der Frau des Schweigens und des Zuhörens, Fleisch geworden ist, mach uns den Eingebungen deiner Liebe gegenüber fügsam und bereit, immer die Zeichen der Zeit zu erkennen, die Du auf dem Weg der Geschichte setzt. Komm, Geist der Liebe und des Friedens! Dir, Geist der Liebe, dem allmächtigen Vater und dem eingeborenen Sohn sei Lob, Ehre und Herrlichkeit jetzt und in Ewigkeit. Amen.   Quelle: vatican.ve © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

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“Towards the future with John Paul II” – International Online Conference

On January 15-17, 2021, an international conference will be held on the occasion of the 100th anniversary of the birth of St. John Paul II. There will be some presents delivered by prominent guests, representatives of many countries. The lectures are divided into three blocks: 15th of January: „Person – Anthropology and Ethics. What Man?“ 16th of January: „Family and Society. Which Family? Which Society? 17th of January : „Faith and life of the Church. What redemption? Which Church? Which redeemer?“   The lectures will be translated into Polish, English and Italian We highly recommend it. PDF Check-in and further information on the organizers‘ website: International Symposium on the occasion of the 100th anniversary of JPII (diecezja.pl)  Day 1 (15.01.2020)   PL https://youtu.be/hXJ8Y5IB0vM EN https://youtu.be/BaAEMTFCXBw IT https://youtu.be/AT2huols8sA  Day 2 (16.01.2020)   PL https://youtu.be/GB3_WoiDhF8 EN https://youtu.be/Nm0ULiNKJDg IT https://youtu.be/ia05c-iMd3c  Day 3 (17.01.2020)   PL https://youtu.be/4wj5ckQQZWk EN https://youtu.be/lVsyI0pTUDg IT https://youtu.be/agry5FG-1LU The Conference is public so we are grateful if you share information about this Conference. For more information regarding the Conference, it’s programme and objectives please visit: http://conference.diecezja.pl/

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