In jeder Hinsicht bezieht sich das Gebot der Liebe auf den freien Willen des Menschen. Der Mensch, der sich vom Licht der Vernunft, also vom Urteil seines Gewissens leiten lässt, trifft eine Wahl und entscheidet und bestimmt so über sich selbst. Er gibt seinen Taten Gestalt. Das Gebot der Liebe richtet sich an den freien Willen, denn von ihm hängt es ab, ob der Mensch seinen Taten, seinem Handeln die Gestalt der Liebe oder eine andere, der Liebe entgegengesetzte Gestalt gibt. Das kann die Form des Egoismus sein, die Form der Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen des anderen, der Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwohl. Das kann schließlich auch die Form des Hasses oder des Verrats sein – entgegen dem, was Christus lehrt: „Liebt eure Feinde“
Mt 5,44
Auszug aus der Predigt während der Seligsprechungsmesse für Pater Rafał Chyliński in Warschau, 9. Juni 1991.